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„Die zweitbeste Zeit Bäume zu pflanzen ist heute“

WikiWoods

Foto: Spatenbild 2 von Anja Vatterodt (CC BY-SA 2.0)

Wie kann man sich eigentlich sinnvoll für den Klimaschutz einsetzen und dafür auch andere begeistern? Das hat sich eine Gruppe von Berlinerinnen und Berlinern Anfang 2007 gefragt und die Plattform WikiWoods gegründet. Ein Gespräch mit Mitgründer Ingo Frost und Pressesprecherin Svenja Rubsch.

Warum habt ihr WikiWoods gegründet?
Ingo: Inspiriert durch den Erfolg der Onlineenzyklopädie Wikipedia ist die Idee entstanden, Menschen mithilfe einer Internetplattform zusammenzubringen, Baumpflanzaktionen zu organisieren und denn selbst aktiv zu werden; frei nach dem Motto „online vernetzen, offline bewegen“. Zu der Zeit war gleichzeitig der IPCC-Bericht in aller Munde und die einzige Möglichkeit zu agieren bestand darin sein eigenes Verhalten zu ändern. Gemeinsame Aktionen mit anderen zusammen fehlten.

Kann Bäume pflanzen den Klimawandel aufhalten?
Ingo: Nein, zuerst müssen wir Wege finden unseren Energiebedarf deutlich zu reduzieren, erneuerbare Energien ausbauen und neue fossile Kraftwerke verhindern, sowie unseren Erdölbedarf drastisch reduzieren. Gleichzeitig brauchen wir aber auch ein neues Verhältnis zu Bäumen und Wäldern, da sie in vielerlei Hinsicht wichtig sind. Auch brauchen Bäume Zeit zum wachsen: Ein Sprichwort aus Uganda sagt: Die beste Zeit Bäume zu pflanzen war vor 20 Jahren, die zweitbeste ist heute.
Es ist einfach gegen die Rodung von Urwäldern zu sein, wenn wir selbst in Deutschland (fast) keine mehr haben und unser Holzbedarf – insbesondere durch den massiven Papierverbrauch – fast doppelt so hoch ist wie die nachwachsende Holzmenge.

WikiWoods versteht sich als offene Plattform, in der sich ganz unterschiedliche Menschen vernetzen und vor Ort eigene Projekte umsetzen können. Was sind die Vorteile einer solchen Organisationsform gegenüber einem eingetragenen Verein mit klaren Strukturen und Verantwortlichkeiten?
Svenja: Jeder kann sich bei WikiWoods in dem Maße einbringen, wie er oder sie Lust und Zeit dazu hat. Wer vielleicht ein Mal im Jahr eine Pflanzung mitmacht ist in der Organisation genauso richtig wie jemand, der viel Zeit und Engagement in den Aufbau neuer Pflanzaktionen steckt. Da Entscheidungen nicht von einem Vorstand entschieden werden, können neue Ideen aller Mitstreiter schnell umgesetzt werden.

Ingo: Der magische Moment ist immer der, wenn Menschen die sich nicht kennen über unsere Internetplattform zusammenfinden und sich draußen auf freiem Feld in Arbeitsklamotten gegenüberstehen und zusammen Bäume pflanzen wollen. Spätestens am Nachmittag sehen sie dann was sie zusammen erreichen können und gleichzeitig wächst das Interesse an der besonderen Rolle des Waldes. Meistens werden diese Fragen durch fachkundige vor Ort auch beantwortet.

Wie stellt ihr sicher, dass die Freiwilligen nicht nur richtig, sondern auch standortgerechte Baumarten pflanzen?
Svenja: Bei jeder Pflanzaktion ist ein Experte eingebunden, entweder von der Partnerorganisation oder aus unseren eigenen Reihen. Bereits bei der Planung wird auf die Auswahl der standortgerechten Arten geachtet. Die Pflanztechnik wird zu Beginn der Veranstaltung gezeigt, so dass auch Aktive, die zuvor noch keinen Spaten in den Händen hatten, schnell Übung bekommen.

Inwieweit werden die Bäume eigentlich nach der Pflanzung vor Abholzung oder Wildverbiss geschützt?
Svenja: Mit der Auswahl unserer Partner und Pflanzflächen stellen wir sicher, dass die Pflanzung nachhaltig und eine rasche Abholzung ausgeschlossen ist. In der Regel übernimmt auch der Partner die weitere Pflege der Bäume in Anschluss an eine Pflanzung. In einem heißen Sommer haben WikiWoods-Aktive aber auch schon regelmäßig die neuen Bäume gewässert. Werden die Bäume in einem Gebiet gepflanzt, in dem mit Wildverbiss zu rechnen ist, so stellen wir z.B. Gatter auf, die die Setzlinge schützen.

Mit welchen Problemen habt ihr im Alltag zu kämpfen? Was könnte besser laufen?
Svenja: WikiWoods ist eine noch recht junge Initiative. Wir sind deshalb sehr glücklich, was wir bis heute erreicht haben, haben aber längst noch nicht alle Probleme gelöst. Die Weiterentwicklung und Optimierung des 2011 neu gestalteten Internetauftritts hat hohe Priorität. Damit möchten wir auch erreichen, dass es für Neue bei WikiWoods leichter wird, eigene Pflanzaktionen zu starten. Unser Ziel ist es, dass auch in anderen Städten Organisationsteams wie in Berlin entstehen.

WikiWoods kann man auch finanziell unterstützen. Als Spender fragt man sich: Wie viel davon wird wirklich in neue Bäume investiert?
Svenja: Sowohl WikiWoods als auch der von uns gegründete, gemeinnützige Trägerverein, Active Commons e.V., arbeiten rein ehrenamtlich. Deshalb gehen Spenden in vollem Umfang in unsere Baumpflanzprojekte. Das Geld wird dabei nicht ausschließlich in neue Bäume investiert, da diese zum Teil auch von unseren Pflanzpartnern gestellt werden, sondern zum Beispiel auch in Fahrtkostenunterstützung für Aktive, Ausrüstung wie Spaten oder in die Weiterentwicklung unserer Webseite.

Auf eurer Internetseite ist zu lesen, dass ihr bereits 66.721 Bäume gepflanzt habt. Wie kann man bei euch mitmachen?
Svenja: Wer sich mit seiner E-Mail-Adresse auf der Seite www.wikiwoods.org registriert, wird zu Pflanzaktionen in seiner Region eingeladen. In Berlin kann man sich darüber hinaus unserem Organisationsteam anschließen, für Planungen von Aktionen in anderen Regionen Deutschlands stehen wir mit Rat und Tat zur Seite.

Vielen Dank für das Gespräch!

3 Kommentare

  1. Pingback: WikiCiety » Im Interview zusammen mit Svenja Rubsch über WikiWoods.Org

  2. Ich finde die Idee super und werde beim nächsten Elternsprechtag vorschlagen, dass sie das mal mit ihrer Klasse machen. Das macht denen bestimmt mehr Spaß Bio oder Sozialkunde.

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