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Wildtiere bleiben Zirkus-Attraktion

Zirkuselefanten

Foto: circus elephants von wolfsavard (CC BY 2.0)

Regelmäßig kommt es zu Verstößen gegen geltende Vorschriften. Doch weil „artgerechte“ Haltung in Zirkusbetrieben praktisch ohnehin nicht möglich ist, fordern Tierschützer und Tierärzte ein generelles Verbot von Wildtieren in reisenden Zirkussen. Die zuständige Bundesagrarministerin hat verfassungrechtliche Bedenken.

Für Aufsehen sorgte ein kürzlich von Tierschützern veröffentlichtes Video, auf dem ein Tierpfleger eines britischen Zirkusses einen Elefanten brutal misshandelt. Der Elefant ist inzwischen in Sicherheit, gegen die Verantwortlichen wurden Strafverfahren eingeleitet. Obwohl dies ein extremes Beispiel ist, wirft der Fall doch erneut die Frage auf, ob der Zirkus überhaupt ein angemessener Lebensraum für Wildtiere sein kann.

Tierärzte fordern Verbot von Wildtieren im Zirkus

Für Amtstierärztin Diana Plange definitiv nicht: „Sowohl bei der Unterbringung als auch bei Ernährung und Pflege gibt es regelmäßig Mängel.“ Demnach bekämen die Tiere zu wenig Wasser, Auslauf und Beschäftigung. Prof. Theo Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer, pflichtet seiner Kollegin bei: „In den temporären Gehegen können die Tiere keine Reviere einrichten, sich also nie „zuhause“ fühlen, auch wenn sie dort mehr Bewegungsfreiheit haben. Aus Sicht des Tierschutzes ist ein Verbot von allen Wildtierarten im Zirkus angezeigt. Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel in der gesamten Politik.“

Berufsfreiheit vor Tierschutz

Bereits im Jahr 2003 hat der Bundesrat genau das gefordert. Demnach sollte die Haltung bestimmter Wildtierarten wie Elefanten, Affen und Bären grundsätzlich verboten werden. Ferner sollten Wildtiere, die weiterhin in reisenden Zirkusbetrieben leben, zugunsten eines besseren Tierschutzes zentral erfasst werden. Weil sich das zuständige Bundesagrarministerium viel Zeit gelassen hat, ist das vor acht Jahren geforderte Zentralregister erst seit einigen Wochen eingerichtet. Ein generelles Verbot von Wildtieren in Wanderzirkussen sieht Ilse Aigner allerdings nicht vor. Einem Sprecher zufolge könne aus Sicht der CSU-Ministerin „das Recht auf Berufs- und Eigentumsfreiheit der Zirkusdompteure nicht zugunsten des Tierschutzes beschnitten werden.“

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten wirft Aigner und der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vor, die Berufsfreiheit von Zirkusdompteuren über den Schutz der Tiere zu stellen. „Vor dem Hintergrund miserabler Standards für Zirkustiere helfen mehr Kontrollen den leidenden Tieren gar nichts,“ so Thomas Pietsch von Vier Pfoten. In einer Online-Protestaktion fordert seine Organisation die Union nun zu einem Kurswechsel auf.

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