permalink

0

Waldstrategie 2020: Viel Holz, wenig Schutz

Wald

Wald ist auf Totholz angewiesen

Die kürzlich vom Bundeskabinett verabschiedete „Waldstrategie 2020“ sollte ein Kompromiss zwischen Nutzung und Bewahren werden. Obwohl die Ausarbeitung des Landwirtschaftsministeriums drei Jahre gedauert hat, kann von einem gesellschaftlichen Konsens kaum die Rede sein. Die massive Anhebung der Obergrenze für den jährlichen Holzeinschlag beweist erneut den Vorrang ökonomischer Interessen.

Ein Drittel der Bundesrepublik ist mit Wald bedeckt. Die Fläche hat in den letzten 40 Jahren sogar um eine Million auf heute elf Millionen Hektar zugenommen. Wälder spielen als Speicher für Kohlenstoffdioxid und Wasser für das Klima eine zentrale Rolle. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten finden hier Lebens- und Rückzugsräume. Daneben wird der Wald als Ort der Erholung auch immer interessanter für die Tourismusbranche.

Wald als Rohstofflager?

Ökonomisch verwertbar ist allerdings vor allem der kostbare Rohstoff Holz. Mit 1,2 Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von 160 Milliarden Euro gehört die Holz- und Forstwirtschaft wichtigsten Wirtschaftszweigen in Deutschland. Damit auch so bleibt, hat die zuständige Ministerin der Branche rund 100 Millionen Kubikmeter pro Jahr zugestanden – was einer Erhöhung von 30 bis 40 Prozent gegenüber den durchschnittlichen Erntemengen der vergangenen Jahre entspricht. Kein Wunder also, dass der Bundesverband Säge- und Holzindustrie Deutschland e.V. und die Arbeitsgemeinschaft der Rohholzverbraucher e.V. die Verabschiedung der Waldstrategie 2020 durch die Bundesregierung ausdrücklich begrüßen.

Laut Forstwirt László Maráz vom Forum Umwelt und Entwicklung hätte die Erhöhung hingegen dramatische Folgen: „Damit würde der gesamte jährliche Zuwachs geerntet und aus dem Wald geholt. Ein Teil dieser Biomasse muss aber im Wald bleiben, um die Fruchtbarkeit der Waldböden zu erhalten.“ Die Bundesregierung solle stattdessen dafür sorgen, dass das wertvolle Holz künftig sparsamer und klimafreundlicher eingesetzt wird.

Anteil geschützter Flächen erhöhen

Mit der Waldstrategie widerspricht die Bundesregierung außerdem ihren eigenen Zielen zur Biodiversität. In der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ aus dem Jahr 2007 ist vorgesehen, mindestens fünf Prozent der Waldfläche dauerhaft aus der forstlichen Nutzung zu nehmen. Bislang sind nur zwei Prozent der deutschen Waldfläche entsprechend geschützt. Der BUND fordert deshalb, langfristig zehn Prozent der deutschen Wälder als ‚Urwälder von morgen‘ komplett aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.