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Wände schleifen und Kräuter pflanzen

Foto: FÖJler Michael Köll

Foto: Michael Köll, FÖJler in der ufaFabrik

Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) heißt nicht unbedingt Bäume pflanzen oder Vögel zählen. Wer die richtige Stelle findet, kann auch in der Großstadt praktisch arbeiten und Natur erleben.

Treffpunkt ist das Café Olé im Herzen der ufaFabrik in Berlin-Tempelhof. Nach wenigen Minuten erscheint Michael Köll, der hier sein FÖJ macht. Michael trägt Dreadlocks, ein Piercing und wetterfeste Schuhe. Letzteres aus gutem Grund, wie sich bald herausstellen soll.

Filme werden schon lange nicht mehr produziert in der ufaFabrik. Gleichwohl geht es hier mehr denn je um Kunst und Kultur. Denn seit ihrer Besetzung 1979 hat sich die ufaFabrik zum international bekannten Lebens- und Arbeitsprojekt entwickelt. Heute beherbergt das fast 19.000 Quadratmeter große Areal neben dem Café Olé unter anderem die „Kindercircusschule“, zwei Theatersäle, eine Biobäckerei, mehrere Probestudios und das Nachbarschaftszentrum NUSZ.

Unter freiem Himmel

Und ganz viel Grün. Michael zieht einen langen gelben Wasserschlauch hinter sich her. In aller Seelenruhe bewässert er Bäume, Kräuter und Blumenkübel. So kann man sich in einen „meditativen Zustand“ versetzen, sagt der 19-Jährige. Einen festen Arbeitsalltag hat Michael nicht. Bei gutem Wetter bewässert er Pflanzen, bei Regen hilft er beim Renovieren. Im Gästehaus hat er schon Wände geschliffen, verspachtelt, Türen und Fenster grundiert und lackiert. „Das hab ich alles hier das erste Mal gemacht.“ Und fügt lachend hinzu: „Aber das hat gut funktioniert“.

Dem Klischee zum Trotz arbeiten längst nicht alle FÖJler unter freiem Himmel in der Natur. Einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums zufolge sind viele Freiwillige im Bürobereich (45 %) und in der Öffentlichkeitsarbeit (40 %) tätig. Dabei ist die Auswahl an Einsatzstellen riesig: Öko-Bauernhöfe, Bioläden, wissenschaftliche Einrichtungen, Verbände usw. Allein die Stiftung Naturschutz Berlin vermittelt Jahr für Jahr rund 170 Plätze im Bereich Umwelt- und Naturschutz.

Aus idealistischen Gründen macht er das FÖJ nicht, sagt Michael. „Nach der Schule habe ich mir gewünscht viel Praktisches zu machen, mit den Händen zu arbeiten.“ Selbstbestimmt wolle er arbeiten und nicht, dass ihm dauernd auf die Finger geschaut wird. Dank der 355 Euro Taschengeld, dem Kindergeld und der Sozialversicherung ist er nun auch privat unabhängiger. Aus Berlin wegzuziehen kam jedoch nicht in Frage. „Es war nicht der Gedanke: ich muss in die Natur. Sondern eher eine Orientierungshilfe. Ich kann von Zuhause ausziehen, habe einen anderen Alltag.“

Projekt Kräuterspirale

Zu dem gehört auch sein ganz eigenes Projekt in der ufaFabrik: die Kräuterspirale. Hierfür hat Michael viele kleine Presstöpfe mit Erde und Samen befüllt. Nebeneinander aufgereiht, auf dem Boden gleich neben dem Kompost, sprießt bereits zartes Grün aus den schwarzen Plastikwürfeln: Mohn, Skabiose, Petersilie, Rosmarin, Tomate und Kresse. „Morgen gehen wir durchs Beet und machen Platz für die Babys hier,“ erklärt Ruth Kösters, Gärtnerin und Vorstandsmitglied in Personalunion. „Dann können wir die hier in die Erde packen.“

Die pädagogische Begleitung im FÖJ ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Ziel sei es, „soziale, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln und das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl zu stärken“. Wer sich für das FÖJ bewirbt, muss seine Schulpflicht erfüllt haben, darf nicht älter als 26 Jahre sein und noch keinen Ausbildungs- oder Studienplatz haben. Der Einsatz dauert mindestens sechs, in der Regel zwölf Monate.

Erster Schritt in die Arbeitswelt

In drei Monaten endet Michaels Einsatz in der ufaFabrik. Das FÖJ kann er nur weiterempfehlen. „Um einen ersten Schritt in die Arbeitswelt zu machen ist das schon ziemlich praktisch.“ Man solle allerdings darauf achten, sich vorab intensiv mit den Stellen zu beschäftigen. Er selbst hat für die Zeit danach bereits einen Plan: weil ihm die praktische Arbeit hier so gut gefällt, will er anschließend eine Ausbildung zum Zimmermann machen.

1 Kommentar

  1. Überleg mir auch grad ein FÖJ zu machen! Praktisch arbeiten will ich auch. Wo kann man sich denn da am besten bewerben?
    LG, Anke

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