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„Umwelt und Klima kennen keine Grenzen“

Florian Henle

Foto: Florian Henle, © Polarstern Energie

Klimaschutz kennt keine nationalen Grenzen. Also gründeten Jakob Assmann, Florian Henle, Simon Stadler einen Energieversorger, der auch im Ausland erneuerbare Energien fördert. Ein Gespräch mit Florian Henle über Ökostrom, Biogas aus Zuckerrübenschnitzel und Entwicklungshilfe in Kambodscha.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, einen Energieversorger zu gründen?
Wir waren alle drei in einer ähnlichen Situation. Unsere Ideen und Pläne lagen sehr eng beieinander: Wir wollten uns alle am liebsten beruflich selbständig machen. Und, wir wollten unsere Arbeitskraft für etwas nutzen, das die Welt verbessert. Mit Blick auf unsere Erfahrungen und Interessen war schnell klar, dass wir das Thema Energie aufgreifen.

Neben den über 900 konventionellen Stromanbietern haben sich längst auch solche etabliert, die ausschließlich Strom aus Erneuerbaren Energien anbieten wie z.B. Naturstrom oder Lichtblick. Ist der Markt groß genug für einen weiteren Ökostromversorger?
Entscheidend ist, was die Anbieter voneinander unterscheidet. Wir sind mit Polarstern der erste unabhängige Ökoenergieversorger, der die weltweite Energiewende angeht. Wir fördern den Ausbau der erneuerbaren Energien hier bei uns und in den Entwicklungsländern. Schließlich kennen weder Umwelt noch Klima Landesgrenzen. Mit Polarstern wollen wir helfen, dass die Entwicklungsländer direkt die erneuerbaren Energien nutzen und nicht den Umweg über Kohle und Atom gehen müssen. Sie sollen nicht die gleichen Fehler machen wie die westlichen Industrieländer. Schließlich geht um unsere gemeinsame Zukunft und die unserer Enkel und Urenkel.
Außerdem bieten wir Haushalten in ganz Deutschland ausschließlich 100 Prozent-Produkte. Das sind nicht nur 100 Prozent Ökostrom, sondern auch 100 Prozent Biogas aus Reststoffen. Besonders im Gasbereich offerieren viele Wettbewerber Produkte mit einer geringen Beimischung von nur fünf bis 20 Prozent Ökogas. Uns hingegen geht es um einen effektiven und glaubwürdigen Beitrag zur Energiewende. Und der heißt: 100 Prozent Ökoenergie und gleichzeitig der weltweite Ausbau der erneuerbaren Energien.

Wenn in der Umgebung von Biogas-Anlagen großflächige Mais-Monokulturen entstehen, kann von einem klimaneutralen, umweltfreundlichen Gas-Produkt kaum die Rede sein. Woher kommt das „Ökogas“ von Polarstern?
Das Ökogas von Polarstern stammt aus einer ungarischen Zuckerrübenfabrik. Hier werden die Reste der Zuckerrübenproduktion, die Zuckerrübenschnitzel, genutzt. Sie werden vergoren und zu Biogas aufbereitet. Es wird also nur das vergoren, was sowieso an Resten anfällt. Das fertige Biogas wird direkt in das lokale Firmen-Gasnetz der Zuckerfabrik eingespeist. Dieser Prozess ist besonders energieeffizient und kostengünstig. Er ermöglicht Polarstern, den Haushalten ein preiswertes 100 Prozent Biogasprodukt aus Reststoffen anzubieten. Die Nutzung von Reststoffen wie es im Fall von Polarstern der Fall ist, wird explizit von Experten wie Martin Hofstetter von Greenpeace und Florian Schöne vom NABU unterstützt.

Und wie stellt Ihr sicher, dass der Strom wirklich zu 100 Prozent Ökostrom ist?
Unser Ökostrom und unser Ökogas werden regelmäßig vom TÜV Nord zertifiziert. Die Prüfung bezieht sich auf den Prozess und die Produktion. Das Ökostromprodukt hat zusätzlich das Grüner Strom Label in der Kategorie Gold erhalten.

Energie von Polarstern kommt aus ganz Europa. Wie gelangt eigentlich der Strom aus österreichischen Wasserkraftwerken und das Gas aus der ungarischen Zuckerfabrik zum Endverbraucher in Deutschland?
Man muss sich das Energienetz wie einen See vorstellen. Aus der Steckdose bei den Haushalten selbst, kommt immer der gleiche Strom- bzw. Gasmix, egal welchen Anbieter sie haben. Aber die Wahl des Anbieters entscheidet über die Quelle, die den See für die Haushalte speist. Und je mehr grüne Quellen ein See hat, umso grüner der See. Das heißt, je mehr Haushalte Ökostrom oder Ökogas beziehen, umso größer der Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz. Hier zählt jeder Beitrag.

Polarstern liefert ja nicht nur Energie, sondern hilft auch Familien in Kambodscha. Was macht Ihr da genau?
Wir unterstützen Familien in den Entwicklungsländern, selbst erneuerbare Energien zu nutzen. Wir wollen helfen, dass die Menschen in den Entwicklungsländern, nicht die gleichen Fehler machen wie wir. Sie sollen direkt die erneuerbaren Energien nutzen. Konkret erhalten die Familien Unterstützung beim Bau einer eigenen Mikro-Biogasanlage. Außerdem erhalten die Familien einen Herd, Gaslampen und sanitäre Anlagen. Betrieben wird die Mikro-Biogasanlage mit Fäkalien von Mensch und Tier. Das reduziert zusätzlich Schmutz, Gestank und Krankheiten, erzeugt natürlichen Dünger für die Felder und verbessert den Lebensstandard der Familien.

Sinnvolle Arbeit, die allerdings auch Mehrkosten verursacht. Ist das soziale und ökologische Engagement nur etwas für Leute, die es sich leisten können?
Es ist wie bei allen Produkten: Qualität hat ihren Preis. Und Qualität wollen nicht nur Personen mit einem großen Geldbeutel. Jeder, der sich für Ökoenergie entscheidet, will die erneuerbaren Energien fördern und das Klima schützen. Und das kann man halbherzig machen, indem man nur ein bisschen umsteigt, oder glaubwürdig und effektiv, indem man 100 Prozent umsteigt. Die monatliche Differenz von unseren Preisen zum örtlichen Grundversorgertarif ist durchschnittlich maximal so groß wie der Preis für eine Kinokarte. Ein wichtiger Beitrag für die weltweite Energiewende.

In Deutschland können Verbraucher ihren Energieversorger frei wählen. Wie wird man Kunde von Polarstern?
Der Wechsel ist einfach und dauert nur rund drei bis fünf Minuten. Alle benötigten Angaben stehen auf der letzten Rechnung des aktuellen Energieversorgers. Diese Daten muss man einfach in das Formular auf www.polarstern-energie.de eingeben. Den ganzen Papierkram wie die Abmeldung beim bisherigen Energieversorger übernimmt Polarstern.

Florian, vielen Dank für das Gespräch!

1 Kommentar

  1. Ich find die Idee gut Menschen in ärmeren Ländern zu helfen und gleichzeitig was für die Umwelt zu tun. Das kann auch gegen den Irrglauben helfen, Umweltschutz und Ökonomie würden sich widersprechen.
    Fürs Klima wärs aber wohl besser, sich für emissionsärmere Kohlekraftwerke in Indien und China einzusetzen. Das sind nunmal mit Abstand die größten Drecksschleudern.

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