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Transformation zur Nachhaltigkeit

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) fordert in seinem jüngsten Gutachten eine „große Transformation“ zur Nachhaltigkeit. Für die dringend notwendige post-fossile Wirtschaftsweise muss demnach ein neuer Gesellschaftsvertrag geschlossen werden. Eines der größten Probleme sehen die Autoren dabei in der Unfähigkeit der meisten Politiker und Ökonomen, in langen Zeiträumen zu denken.

Nachhaltigkeit als moralisches Gebot

Für die Wissenschaftler des WBGU um Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und Dirk Messner, Leiter des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, steht die Welt vor einer historischen Aufgabe. Dem Bericht „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation“ zufolge ist die Wende zur Nachhaltigkeit nicht nur machbar, sondern auch moralisch geboten. Weil es um nicht weniger als die Lebensgrundlagen künftiger Generationen gehe, seien Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung vergleichbare gesellschaftliche Aufgaben wie die Abschaffung der Sklaverei oder die Ächtung von Kinderarbeit. Die Autoren liefern dabei eine ganze Reihe von Vorschlägen, wie dieser Übergang realisiert werden kann.

Dazu gehört zum Beispiel der Ausstieg aus der Kernenergie. Damit dieser nicht mit erhöhten CO2-Emissionen erkauft wird, müssten die Erneuerbaren Energien stärker und effizienter als bisher gefördert werden. Demnach sollten entsprechende Vorschriften für Gebäude, Fahrzeuge und Produkte ausgebaut und verschärft werden. Damit der CO2-Preis beim Emissionshandel in Europa schneller steigt, müsse die EU ihr Reduktionsziel bis 2020 auf 30 Prozent erhöhen. Zudem solle sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass künftig auch der Verkehr in den Zertifikate-Handel einbezogen wird.

Transformation auf allen Ebenen

Die Studie unterscheidet sich von vergleichbaren insoweit, als dass sie ganz unterschiedliche Probleme und ihre Wechselwirkungen analysiert: Die Menschheit müsse lernen mit wenig Emissionen zu leben, zugleich dürfe der CO2-arme Biosprit aber nicht auf Kosten von Wald- oder Agrarfächen produziert werden. Indem Schwellen- und Entwicklungsländer mehr Spielraum für ihr Wirtschaftswachstum benötigen, seien die Industrienationen noch mehr in der Pflicht ihren Ressourcenverbrauch und Schadstoffausstoß zu reduzieren.

Dass dies auch Einschnitte bei „verschwenderischen Lebensstilen“ bedeute, dürfte für Politiker ein unbequemer Ratschlag sein. Hinzu kommen die finanziellen Aufwendungen: Auf eine dreistellige Milliardensumme pro Jahr schätzen die Wissenschaftler die Kosten für den notwendigen globalen Wandel. Durch den Abbau klimaschädlicher Subventionen von mehr als 500 Milliarden Dollar könnten die Kosten nach Ansicht der Regierungsberater allerdings massiv reduziert werden. Auf längere Sicht würden sich die Investitionen außerdem über Energieeinsparungen und vermiedene Klimafolgekosten rechnen. Zu diesem Zweck soll der Staat gezielt Förderprogramme auflegen, grüne Geldanlagen und alternative Geschäftsmodelle massiv unterstützen.

Dominanz des Kurzfristigen

Das in Politik und Wirtschaft verbreitete Denken in kurzfristigen Zeitspannen ist für die Wissenschaftler eines der schwierigsten Hindernisse. Der historische Wandel müsse daher ein tiefgreifender, kultureller sein. Der Klimaschutz soll zwar als Staatsziel im Grundgesetz verankert werden – die Autoren betonen gleichwohl nachdrücklich, dass die Transformation zur Nachhaltigkeit nicht von oben herab diktiert werden kann. Schließlich ermögliche erst die demokratische Partizipation die notwendige kreative Energie und Akzeptanz für den schwierigen, aber notwendigen und machbaren Wandel.

1 Kommentar

  1. Wir haben bei alldem ja kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Dass (demokratische) Politiker auf Wählergunst und Stimmen achten, kann man ihnen nicht wirklich verübeln. Wie das aussieht wenn man mal Hand anlegen will an „verschwenderische Lebensstile“, haben wir bei der 5 Mark pro Liter Benzin-Forderung der Grünen gesehen. Wäre der Vorschlag nicht wieder ganz schnell in der Schublade gelandet, dann hätte es wohl keine rot-grüne Regierung Schröder gegeben.

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