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Stoffbeutel statt Bioplastik

Plastiktüte

Foto: bag and flower von dev null (CC BY-SA 2.0)

Früher galt die Langlebigkeit von Plastik als Vorteil – heute als eine Ursache der zunehmenden Vermüllung unserer Umwelt. Der Handel setzt daher zunehmend auf biologisch abbaubare Kunststoffe. Dabei ist Biokunststoff auf Basis von Maisstärke nicht wirklich umweltschonender als konventioneller Kunststoff.

Bioplastik als Marketinginstrument

Ob Pepsi, REWE, Puma oder Danone – Bioplastik liegt voll im Trend. Puma rechnet durch den Verzicht auf herkömmliche Plastik- und Papiertüten in seinen Einzelhandelsgeschäften weltweit mit einer jährlichen Einsparung von 192 Tonnen Plastik und 293 Tonnen Papier. „Clever Little Shopper“ heißt die neue Einkaufstüte des Sportartikelherstellers, die zu 100 Prozent aus Maisstärke bestehen soll.

Der französische Lebensmittelkonzern Danone setzt ebenfalls auf den nachwachsenden Rohstoff Mais. Bei der Herstellung des neuen Bechers der Joghurtmarke „Activia“ wird nach Herstellerangaben 43 Prozent weniger Erdöl verwendet und das Klima um 25 Prozent weniger belastet. Der Zusatz „Partner für umweltfreundlichere Verpackung“ samt WWF-Logo soll dem Verbraucher beim Joghurt-Kauf das Gefühl geben, sich und der Umwelt etwas Gutes zu tun.

Bioplastik: Umweltzerstörung und steigende Lebensmittelpreise

Daran haben Verbraucherschützer hingegen ihre Zweifel. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat angekündigt, wegen irreführender Werbung für die neuen Joghurtbecher gerichtlich gegen Danone vorzugehen. So berufe sich der Konzern in seiner Werbekampagne zwar auf Ergebnisse einer Ökobilanz-Studie des renommierten IFEU-Instituts. Danone beziehe sich dabei aber nur auf zwei von zwölf Wirkungskategorien („Klimawandel“ und „Fossiler Ressourcenverbrauch“), in denen die Bioplastik-Becher gegenüber ihren konventionellen Pendants besonders gut abschneiden. Unter Betrachtung aller zwölf untersuchten Kategorien stellen die Wissenschaftler hingegen fest, dass sich „kein ökobilanzieller Vor- oder Nachteil für eines der beiden Systeme ableiten“ lässt.

Der Markt für Biokunststoffe, die aus „nachwachsenden Rohstoffen“ wie Weizen, Mais und Zuckerrohr gewonnen werden, wächst jährlich um bis zu 30 Prozent. Dadurch wird der ohnehin schon hohe Druck auf die verfügbaren Anbauflächen weiter verstärkt. Die Folgen des Verteilungskampfs zwischen den unterschiedlichen Nutz- und Energiepflanzen sind Waldrodung, sich ausbreitende Monokulturen, steigende Lebensmittelpreise und Hunger. Allein im letzten Jahr wurden weltweit rund 300.000 Tonnen Getreide für die Produktion von 200.000 Tonnen Bioplastik verwendet.

Stoffbeutel hat keine Lobby

Ohnehin wird Bioplastik in der Praxis faktisch nicht kompostiert. Die Verrottungszeit ist höher als bei Biomüll, so dass die vermeintlich umweltschonende Alternative in der Regel einfach verbrannt wird. Für Heribert Wefers vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist klar: „Bio-Plastiktüten sind eine klare Kundentäuschung. Dem Verbraucher wird suggeriert, er brauche nur auf biologisch abbaubare Kunststoffe umzusteigen, dann sei alles in Ordnung. Abfallvermeidung und Umweltschutz beginnen mit der Vermeidung unnötiger Produkte und Verpackungen.“ In der Tat, denn auch wenn sich damit kein Geld verdienen oder das Unternehmensimage aufpolieren lässt: Die wesentlich umweltschonendere (und günstige) Alternative zur (Bio-)Plastiküte ist und bleibt nunmal der gute alte Stoffbeutel.

2 Kommentare

  1. Den Fleischkonsum zu reduzieren würde jeglichen Druck auf die Anbauflächen nehmen, dann könnten wir Biotüten produzieren und, theoretisch, den Hunger auf der welt stillen. Aber überschüssige Nahrung gelangt doch eh nicht dort hin wo sie gebraucht wird, deswegen ist das Argument „Hunger“ nicht angebracht.
    Wenn man den Hunger auf der Welt stoppen wollen würde, könnte man das sofort tun. Hat wohl jemand etwas dagegen… komisch.

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