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Steigerwald: Vom Naturpark zum Nationalpark?

Wald

Im Gegensatz zu Naturparks findet in Nationalparks keine forstwirtschaftliche Nutzung statt.

Wie schwierig das Engagement für Natur- und Artenschutz auch im 21. Jahrhundert noch ist, zeigt der anhaltende Streit um den Status des Naturparks Steigerwald. Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. setzt sich seit Jahren für die Umwandlung in einen Nationalpark ein. Auf diese Weise sollen die alten Buchenwälder vor der Abholzung geschützt werden. Die Bewahrer des Status Quo aus Politik, Land- und Holzwirtschaft machen gegen die Pläne bislang erfolgreich Stimmung.

Naturpark, Nationalpark, Weltkulturerbe

Laub- und Nadelwald, Teiche und Weinbau prägen das Landschaftsbild des im Herzen Frankens gelegenen Naturparks Steigerwald. Was die Region allerdings zu etwas Besonderem macht, sind einer Studie des Bundesamts für Naturschutz zufolge vor allem ihre seltenen Rotbuchen-Urwaldbestände sowie eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt. Damit das auch in Zukunft so bleibt, soll ein Teil der Fläche als Nationalpark ausgewiesen werden. Durch die Umwandlung in einen Nationalpark könnten Teile des Areals zudem in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen werden.

„Der Steigerwald soll so bleiben, wie er ist“

So lautet auch das Motto der Nationalpark-Gegner. Gemeint ist damit allerdings weniger der ökologische Zustand des Waldes, sondern vielmehr der Status als Naturpark. Denn im Unterschied zum Nationalpark haben in einem Naturpark nicht die Bedürfnisse der Natur sondern die des Menschen Vorrang. Erwartungsgemäß kommt der Widerstand in erster Linie von privaten Waldbesitzern, Landwirten und der Holzwirtschaft. In der eigens gegründeten Initiative „Unser Steigerwald“ sprechen sich auch einige Bürgermeister örtlicher Gemeinden gegen die Einrichtung des Nationalparks aus. Auf regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen wird über die Gefahren des Nationalparks „informiert“.

„Auf jeder Veranstaltung dieselben Vorurteile, Ängste, Falschmeldungen, ja sogar Beschimpfungen. Gelang es auf der einen Versammlung Fragen zu beantworten und Vorurteile auszuräumen, begann das Spiel bei der nächsten Gelegenheit von vorne. Es wäre leichter gewesen, einem Fisch das Fliegen beizubringen.“

Zitat eines Teilnehmers, Quelle: Pro Nationalpark

Argumente versus Stimmungsmache

Die seit 2007 anhaltende Diskussion wird also nicht immer sachlich geführt. Der Spiegel berichtete von „inszeniertem Psychoterror“ gegen Nationalpark-Befürworter. Während sich die Gemüter inzwischen wieder etwas beruhigt haben, prallen die Argumente beider Seiten unverändert aufeinander.

Zum Beispiel: Den Haushalten der Region könne das Brennholz knapp werden und bei den Sägewerken Arbeitsplätze verloren gehen, wenn Teile des Waldes aus der forstlichen Nutzung genommen werden. Tatsächlich soll aber nur rund ein Fünftel der Naturpark-Fläche Nationalpark werden. Und die für die Holzwirtschaft wichtigen Nadelbäume liegen ohnehin außerhalb des geschützten Bereichs.

Nationalpark Steigerwald zu Grabe getragen?

In einem kürzlich erschienen Artikel im Fränkischen Tag ist die Nationalpark-Idee nach Worten des Autors von ihren eigenen Befürworten „zu Grabe getragen“ worden. Indem der Bund Naturschutz die Idee als Konjunkturprogramm präsentierte, habe er seine Glaubwürdigkeit verspielt. Hubert Weiger, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz, verteidigt die Strategie seines Verbands. Man habe reagieren müssen, „nachdem Nationalpark-Kritiker mit dem drohenden Verlust von Arbeitsplätzen und dem Niedergang der Region Schreckensbilder gezeichnet hatten.“ Und zitiert den Sohn des berühmten Natur- und Tierschützers Bernhard Grzimek, Christian Grzimek: „Nicht nur Industrie schafft Arbeitsplätze sondern auch Nationalparks. (…) Wir sind in diesem Bereich dank rückständiger Lokalpolitiker leider immer noch ein Entwicklungsland.“

In der Tat haben sich im zuständigen Umweltausschuss des Bamberger Kreistags die Nationalpark-Befürworter nicht durchsetzen können. Und Ministerpräsident Horst Seehofer will den Nationalpark nicht „gegen den Willen der Steigerwälder“ durchsetzen. Ob und wann die Abholzung der seltenen Buchen im Steigerwald beendet wird, ist also völlig offen. Der Bund Naturschutz sammelt derweil in einer Online-Aktion Unterschriften, um den Druck auf die bayerische Landesregierung zu erhöhen.

2 Kommentare

    • Kein Argument, aber… soviel zum Thema Stimmung machen, nicht wahr?
      Schade, dass der lokale Filz immer noch Oberhand hat in solchen Fragen. Solche Themen gehören deshalb auf die Bundesebene.

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