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Natürliches Wachstum: Die Umweltbranche wird erwachsen

Solarzellen

Foto: Solar panels in the mist von OregonDOT (CC BY 2.0)

Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Als die Grünen im Jahr 1983 erstmals in den Bundestag einzogen, war Umweltpoltik für einen Großteil der Abgeordneten ein Fremdwort. Umweltpolitische Ideen hatten – wenn überhaupt – nur dann eine Chance, wenn sie weder Geld noch Arbeitsplätze kosteten. Dass es zwischen Umwelt- und Wirtschaftsinteressen keinen Widerspruch geben muss, beweist der seit Jahren anhaltende Boom der Umweltbranche. Bundesumweltminister Norbert Röttgen formuliert dies wie folgt: “Es ist überholt, von der Versöhnung von Ökonomie und Ökologie zu sprechen. Wir haben inzwischen erkannt: Es sind zwei Seiten einer Medaille.”

Umweltbranche: vom Idealismus zum Pragmatismus

Das Nischendasein der Umweltbranche ist längst Vergangenheit. Umweltschonende Technologien wie Solaranlagen galten lange Zeit als teuer, ineffizient und somit lediglich für Idealisten interessant. Einer Studie der Bundesregierung zufolge wird sich der globale Umsatz mit grünen Technologien bis 2020 auf mehr als 3,1 Billionen Euro verdoppeln. Die Prognose der sogenannten Kondratjew-Zyklen-Theorie scheint sich somit zu bestätigen. Dem Modell der langen Konjunkturzyklen zufolge findet zur Zeit der Übergang vom fünften Zyklus (Informationstechnologie) zum sechsten statt. Letzterer wird vor allem von Gesundheit sowie der Bio- und Umwelttechnologie bestimmt.

Ihre internationale Marktführerschaft verdankt die hiesige Umweltbranche vor allem einer großzügigen Förderpolitik. Nirgendwo sonst werden so viele Geothermieanlagen und Windräder gebaut. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert den Ökostrom-Produzenten, dass sie ihren Strom aus Wind, Wasser und Sonne zu profitablen Konditionen ins Netz eingespeisen können. Folglich ist der Absatz entsprechender Anlagen in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.

Umwelttechnologien kommen zunehmend aus China und Indien

Während die Förderung grüner Technologien in Deutschland zunehmend in die Kritik gerät, holen andere Länder auf. Die Vereinigten Staaten etwa planen den Anteil der erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent zu steigern. Die Ambitionen Chinas sind nicht weniger beeindruckend: im Reich der Mitte sollen im selben Zeitraum Windräder mit einer Gesamtkapazität von bis zu 100 Gigawatt entstehen. Weltweit belaufen sich die staatlichen Klimaschutz-Investionen im Rahmen der Krisenbewältigung auf 430 Milliarden US-Dollar.

Auch deutsche Hersteller profitieren in hohem Maße von den staatlichen Förderprogrammen. Schließlich gehen rund 80 Prozent der hier produzierten Windräder ins Ausland. Nicht umsonst setzen Unternehmen wie Solarworld und Nordex auf Produktionsstätten in China und den USA selbst. Weil aber auch andere erkannt haben, dass sich Investitionen in nachhaltige Energiegewinnung nicht mehr nur langfristig lohnen, wird der Wettbwerb immer schärfer. Insbesondere chinesische und indische Unternehmen können sich durch günstigere Angebote immer erfolgreicher am Markt behaupten.

Umweltbranche lebt von Innovation

Der Theorie der langen Konjunkturzyklen entsprechend kann auch die grüne Welle nur so lange erfolgreich sein, wie in neue Innovationen investiert wird. In den USA sind die Vorraussetzungen für die Branche am besten: JP Morgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley sind allesamt bereits an entsprechenden Projekten beteiligt. Doch auch hierzulande gibt es Investoren, die sich nicht scheuen innovative Konzepte zu fördern. Ventizz-Vorstand Helmut Vorndran etwa investierte jahrelang in das Thüringer Photovoltaik-Unternehmen ersol Solar Energy AG. Im vergangenen Jahr verkaufte er seine Mehrheitsbeteiligung für fast 550 Millionen Euro an Bosch.

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  1. Pingback: Ökostrom befindet sich weiter im Kommen :: Stromvergleich in Deutschland

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