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Natürlich: Baumwolle ohne Gentechnik

Baumwolle

Foto: Dreams of Cotton von hellodan (CC BY-SA 2.0)

Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung war sicherlich kein Zufall. So wählte die Financial Times letzten Freitag – zeitgleich zur Internationalen Grünen Woche in Berlin – als Titelthema den Skandal um gentechnisch verunreinigte Bio-Baumwolle. Mit Erfolg: kaum ein Medium hat sich dem Thema in den vergangenen Tagen entziehen können. Doch was ist dran an der Geschichte und wie lässt sich nun echte von falscher Biobaumwolle unterscheiden?

Modifizierte Bio-Baumwolle

Nach Angaben der Financial Times Deutschland sind „erhebliche Mengen“ der sogenannten Biobaumwolle aus Indien gentechnisch verändert. Bereits im Frühjahr letzten Jahres haben demnach zahlreiche Dörfer gemeinsam mit verschiedenen Zertifizierungsunternehmen aus dem Westen die so verunreinigte Baumwolle im großen Stil in den Handel gebracht. Was den indischen Behörden somit seit fast einem Jahr bekannt ist, wurde jedoch erst jetzt in Deutschland öffentlich.

Bio-Branche verliert an Glaubwürdigkeit

Der Fall trifft die Branche an ihrer verwundbaren Stelle: der Glaubwürdigkeit. Schließlich geben die Konsumenten nur dann mehr Geld für nachhaltig produzierte Waren aus, solange sie vom Nutzen ihrer Kaufentscheidung überzeugt sind. Und dies tun immer mehr. Der globale Umsatz mit Biotextilien beträgt inzwischen über fünf Milliarden US-Dollar und hat sich damit seit 2005 verzehnfacht. Knapp die Hälfte der gesamten Biobaumwolle wird auf indischen Feldern angebaut.

In welchem Umfang nun tatsächlich betrogen wurde ist bislang nicht bekannt. Dass die Felder von Bio- und konventionell arbeitenden Bauern in vielen Fällen unmittelbar nebeneinander liegen, wird in dem Artikel der Financial Times derweil mit keinem Satz erwähnt. Ironie des Schicksals: von den so verursachten und bekannt werdenden Kontaminationen dürfte in erster Linie die auf Gentechnik setzende Landwirtschaft profitieren.

Unabhängig davon ist es eigentlich wenig verwunderlich, dass sich in dem rasant wachsenden Markt auch schwarze Schafe tummeln. Auch die Biolebensmittelerzeugung hatte in den achtziger Jahren mit Skandalen zu kämpfen. Erst durch eindeutige Regularien und wirksame Kontrollmechanismen konnte die Bio-Lebensmittelbranche das Vertrauen der Verbraucher wieder zurückgewinnen.

Vertrauenswürdige Öko-Labels

Was nicht heißt dass der aufgeklärte Verbraucher 30 Jahre warten muss. Es gibt mehrere Textil-Öko-Label unterschiedlicher Qualität, die bei der Kaufentscheidung helfen können. Der Öko-Tex-Standard ist zwar das bekannteste – die überprüften Grenzwerte unterscheiden sich jedoch nur wenig von den gesetzlich vorgeschriebenen. Der Öko-Tex-Standard 100+ ist strenger, da hier auch die Produktionsstätten unter die Lupe genommen werden. Unberücksichtigt bleiben aber die Bedingungen, unter denen die Baumwolle angebaut wird. Die Menge der auf den Feldern eingesetzten Pestizide beispielsweise spielt hier keine Rolle.

Aussagekräftiger sind daher Siegel, welche die gesamte Produktionskette im Blick haben. Den Anforderungen des „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) entspricht unter anderem das Label des Internationalen Verbands der Naturtextilien (IVN). Das vom Öko-Anbauverband Naturland initiierte Siegel gibt es in zwei Ausführungen: orange steht für „better“, blau für „best“. Empfehlenswert sind außerdem „hessnatur“, „Cotton People organic“ (Alnatura), „Ecolabeling Nordic“ aus Skandinavien sowie der britische „Soil Association Organic Standard“.

1 Kommentar

  1. Hallo,
    ich denke auch dass die Reaktionen völlig überzogen sind. Die Story ist doch das gefundene Fressen für all jene, die Bio-Produkten prinzipiell kritisch gegenüberstehen. Die freuen sich nun und können sagen: ich habs doch gleich gesagt! Dass selbst gentechnisch veränderte „Bio“-Baumwolle wesentlich umweltfreundlicher ist – weil pestizitfrei hergestellt – bleibt außerdem völlig unberücksichtigt.

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