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Nach der Ölkatastrophe ist vor der Ölkatastrophe

Öllache

Foto: oil spill von YourLocalDave (CC BY 2.0)

Die vor einem Jahr explodierte Ölbohrplattform löste eine beispiellose Umweltkatastrophe aus. Wochenlang berichteten die Medien über auslaufendes Öl, schlechtes Krisenmanagement und sterbende Tiere. Durch den massiven Einsatz von Chemikalien konnten zumindest die sichtbaren Folge schnell beseitigt werden. Mit einem für den Betreiber BP positiven Effekt: Ohne Bilder von verseuchten Vögeln gerät die Katastrophe schnell wieder in Vergessenheit.

Vor ziemlich genau einem Jahr explodierte im Golf von Mexiko die Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“. Nach dem Auslaufen von rund 800 Millionen Liter Öl sind unzählige Fische und Vögel vollendet. Wie groß die ökologischen Folgen letztlich sein werden, ist derzeit aber noch gar nicht absehbar. Wo das Öl geblieben ist, welches weder abgesaugt noch abgebrannt wurde, ist nicht bekannt. Zudem verschleppt BP offenbar die Auszahlung zugesagter Forschungsmittel. Diese könnten nämlich mit den ökologischen auch die wirtschaftlichen Kosten zu Tage fördern.

Chemikalien für weiße Strände

Unmittelbar nach der Katastrophe wurden im großen Stil Chemikalien eingesetzt, welche das Öl binden und so die gefährdeten Küsten schützen sollten. Das ist zumindest teilweise gelungen und hatte für den Ölkonzern einen weiteren, nicht unwichtigen Nebeneffekt: Für eine Katastrophe dieses Ausmaßes gab es auffällig wenige Aufnahmen ölverschmierter Vögel. So wurde das Problem aus unserem Sichtfeld auf den Meeresboden verlagert.

Die mediale Aufmerksamkeit gehört längst anderen Ereignissen. Selbst Fukushima ist bereits aus den Schlagzeilen verschwunden. Der große Knall wie in Tschernobyl ist ausgeblieben, der GAU ein schleichender. Bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist es ganz ähnlich. Doch die unsichtbare Strahlung ist nun mal genauso existent wie das unsichtbare Öl am Meeresboden. Das Anschwemmen Hunderter toter Jungdelfine an den Küsten ist vielleicht nur ein Vorgeschmack dessen, was wir noch als Folge unserer Gier nach Öl zu erwarten haben.

Verdrängen für den Status Quo

Genau das ist schließlich ein weiterer Grund, warum uns das Vergessen bzw. vielmehr das Verdrängen der Ölkatastrophe so leicht fällt: Das Wissen um das permanente Fehlverhalten unserer kollektiven und individuellen Lebensweise. Schlechtes Gewissen verdirbt nämlich nicht nur die Laune, sondern stellt in diesem Fall auch bequeme Gewohnheiten in Frage. Verdrängen und Vergessen ist dann eine willkommene psychologische Strategie, um wider besseres Wissen am Bestehenden festhalten zu können. Und das mit Erfolg: Tiefseebohrungen sind wieder erlaubt und wieder läuft Öl aus irgendeinem tiefen Loch im Golf von Mexiko aus.

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