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Kopenhagen wird ein Erfolg

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Bild: Countdown to Copenhagen Logo

Ob Wissenschaftlier, Politiker, Manager oder der kleine Mann – die Sorge um das Klima ist inzwischen fest in der gesellschaftlichen Debattenkultur verankert. Wer ernst genommen werden will muss sich zum Umwelt- und Klimaschuz bekennen. Das zentrale Problem bleibt dennoch die nicht zu unterschätzende Macht der Bequemlichkeit. Die wenigsten Menschen in den westlichen Industrienationen sind wirklich bereit, mit lieb gewonnen Lebensgewohnheiten zugunsten einer nachhaltigen Lebensweise zu brechen.

Dies zeigt exemplarisch der Vorstoß des Stadtrats von Marburg, seine Bürger bei Neubauten und Renovierungen zur Installation einer Solaranlage zu verpflichten. Trotz großzügiger Förderprogramme und zahlreichen Ausnahmeregelungen sind die Pläne nicht zuletzt am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Wenn sich das Volk selbst nicht dem Prinzip „Global denken, lokal handeln“ verpflichtet fühlt – wie kann es dies von seinen Vertretern auf dem anstehenden Weltklimagipfel in Kopenhagen verlangen? Die Frage über Erfolg oder Scheitern des Gipfels wird nicht in Kopenhagen, sondern im individuellen Handeln beantwortet.

Klima-Wandel hat an politischer Bedeutung gewonnen

Kaum ein Thema ist in den Medien derzeit so präsent wie die kommende Woche beginnende Weltklimakonferenz in Kopenhagen. Hier soll ein verbindliches Nachfolgeabkommen des derzeit gültigen Klimaabkommens von Kyoto beschlossen werden. Die mediale Aufmerksamkeit ist dabei Ausdruck eines sich wandelnden Umweltbewußtseins sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung. Der Druck zum politischen Handeln wächst. Nach anfänglichem Zögern sagten Angela Merkel und dann auch Barak Obama zu, an der Klima-Konferenz teilzunehmen.

Das Thema Klima und dessen Wandel hat zudem massiv an politischer Bedeutung gewonnen durch die Vergabe des Friedensnobelpreises an den ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore und den UN-Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). Bei der Verleihung sagte Gore:

„Ohne es zu bemerken, haben wir einen Krieg mit der Erde angefangen. Es ist Zeit, Frieden mit dem Planeten zu schließen.“

Für den Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ erhielten er und Regisseur Davis Guggenheim zwei Oscars.

Die wissenschaftliche Grundlage der Debatte um den Klimawandel liefert seit Jahren u.a. der IPCC. Der Vierte Sachstandsbericht des Weltklimarates informierte 2007 umfassend über den aktuellen Stand der Forschung zum Thema. Mittlerweile sind einige der Autoren des Berichts selbst zu politischen Akteuren geworden. Zum Beispiel Hans-Joachim Schellnhuber, der nicht nur Direktor des Instituts für Klimafolgenforschung in Potsdam ist, sondern auch Berater der Bundeskanzlerin und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung zu Globalen Umweltfragen.

Weltklimakonferenz kann scheitern

Die Erwartungshaltung an den Ausgang der Konferenz in der dänischen Hauptstadt ist dennoch äußerst gering. Nur wenige Beobachter erwarten von den Diplomaten aus 192 Ländern, dass diese sich auf mehr als eine (verbindliche) politische Erklärung einigen werden. Selbst der Gastgeber, der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen, setzt die Messlatte tief indem er betont, dass Detaills erst im kommenden Jahr ausgehandelt werden sollen.

Gründe für den Pessimismus – oder besser: Realismus? – gibt es viele. So werden in Kopenhagen drei Gruppen mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen miteinander streiten. Dies sind zum einen die Industrieländer, die ihren Reichtum auf Kosten der Umwelt erwirtschaftet haben und nun in der Pflicht stehen, ihren Ausstoß an Treibhausgasen massiv zu senken. Außerdem wird ertwartet, dass Europa, die USA, Japan und andere wohlhabende Länder die ärmeren Staaten beim Umgang mit den Folgen des Klimawandels finanziell unterstützen. Darüber hinaus gibt es die heterogene Gruppe der Schwellen- und Entwicklungsländer, zu denen u.a. Indien, China, Südkorea und Brasilien zählen. Bei allen Unterschieden: Konsens besteht in der Forderung, dass die Hauptverursacher des Klimawandels auch die größten Lasten zu tragen haben. Die dritte Gruppe besteht aus den ärmsten Staaten der Erde. Obwohl die vorwiegend afrikanischen Länder am wenigsten Kohlendioxid ausstoßen, leiden sie am meisten unter den Folgen der westlichen Lebens- und Wirtschaftsweise. Daher fordern sie von den anderen Gruppen Hilfe bei der Krisenbewältigung. Dies kann ein Ausgleich sein für den Verzicht auf die Abholzung von Regenwäldern, der Bau von Dämmen oder die Förderung der Bewässerung fruchtbarer Böden.

Wie schwierig der Weg zu einem verbindlichen, fairen und vor allem wirkungsvollen Abkommen ist, hat sich schon auf den Vorbereitungskonferenzen gezeigt. Wie so oft hängt auch dieses Mal vieles von den Vereinigten Staaten ab. Zwar wird der Gipfel nun dadurch aufgewertet, dass der US-Präsident nun doch an der wichtigen Schlussphase der Konferenz teilnehmen wird. Doch selbst wenn Obama Großes vorhätte, ist er auf die Unterstützung des Kongresses angewiesen. Viele Abgeordnete sperren sich weiterhin gegen ein internationales, bindendes Regelwerk zum Klimaschutz. Zudem könne Europa nur deshalb so große Zusagen machen, da im Referenzjahr 1990 viele osteuropäische Industrieunternehmen zusammengebrochen seien.

Klima-Schutz von unten

Auch wenn sie nicht unbedründet ist: es kann bezweifelt werden, dass die geringe Erwartungshaltung der Problemlösung zuträglich ist. Schließlich werden die Akteure so (unfreiwillig oder nicht) ihrer Verantwortung entbunden. Verantwortung tragen aber auch und vor allem wir. Gesellschaftliche Veränderung fängt nämlich meistens nicht oben an. Die Umwelt- und Friedensbewegung ist entstanden, weil die Aktivisten ihre pazifistischen und ökologischen Anliegen im bestehenden politischen System nicht ausreichend berücksichtigt sahen. Nicht umsonst äußerte die Umweltaktivistin Hanna Poddig gegenüber Maybrit Illner am vergangenen Donnerstag die Hoffnung, dass die Klima-Konferenz scheitert. Das offensichtliche Scheitern des Gipfels könne dazu führen, dass die Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und ihre Lebensweise ändern. Die weitere Entwicklung des Klimas hängt somit nicht primär vom Ergebnis von Kopenhagen ab. Entschieden wird hier vielmehr über die Art und Weise, wie die Menschen mit dem Problem umgehen werden.

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