permalink

5

Klimaskeptiker und die Wissenschaft

Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist in der Wissenschaft weitgehend Konsens. Dennoch gibt es nach wie vor engagierte Zeitgenossen, welche die Existenz der Problematik nicht akzeptieren können oder wollen. Im Gegensatz zur Wissenschaft täuschen sie Diskussionsbereitschaft lediglich vor.

Fehler des IPCC

Die tatsächlichen und vermeintlichen Fehler des UN-Klimarates (IPCC) waren ein gefundenes Fressen für die sogenannten Klimaskeptiker. In veröffentlichten internen E-Mails war von einem Trick gesprochen worden, um Temperaturkurven zu erstellen. Anschließende Untersuchungen unterschiedlicher Gremien ergaben aber, dass es sich lediglich um eine statistische Methode handelte, Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzufassen. Ein Manipulationsversuch hat demnach nicht stattgefunden.

Ähnliches gilt für zwei Zahlendreher des IPCC. So wurde im Bericht einer Arbeitsgruppe die Schmelze des Himalaya-Gletschers für das Jahr 2035 (statt 2350) prognostiziert. Im Hauptkapitel zum Thema Gletscher waren die Zahlen hingegen korrekt. Und dass nicht 55, sondern nur 26 Prozent der Niederlande unterhalb des Meeresspiegels liegen, ist ebenfalls nicht auf Manipulation, sondern auf eine fehlerhafte Auskunft der holländischen Regierung zurückzuführen. Der entscheidende Bericht über die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels enthielt auch in diesem Fall keine Fehler.

Wissenschaft in den Medien

Die Komplexität des Klimasystems sprengt das Format gängiger Medien. Der oben genannte IPCC-Bericht etwa umfasst 2.800 Seiten und lässt sich somit allein schon aufgrund seines Umfangs schwerlich in wenigen Sätzen zusammenfassen, ohne wichtige Aspekte auszulassen. Was an wissenschaftlichen Erkenntnissen über Fernsehen, Zeitungen und Internet letztlich an die Öffentlichkeit gelangt, hängt dabei ganz wesentlich von der verfügbaren Zeit und dem Fachwissen der Journalisten ab.

Hinzu kommt ein Zielkonflikt zwischen Wissenschaft und Medien: Während Forscher eine vorsichtige, neutrale Sprache verwenden, wollen Letztere vereinfachen und zuspitzen. Zum Anspruch ausgewogener Berichterstattung gehört schließlich auch, die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen. Auf diese Weise kann sich die Minderheit der Klimaskeptiker einer überproportionalen medialen Präsenz erfreuen.

Für Wissenschaftler stellt sich die Frage, ob sie die medial verbreiteten Thesen der Skeptiker ignorien oder jedes Mal reagieren sollten. Für Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung ein Dilemma: „Wertet man dadurch die „Klimaskeptiker“ nicht noch auf, indem beim Laien nach der Diskussion am Ende wieder nur der Eindruck hängen bleibt, alles sei „unter Fachleuten noch umstritten“? Tatsächlich hat die in den Medien ausgetragene „Skeptikerdiskussion“ kaum etwas mit echten Diskussionen zum Klimawandel unter Fachleuten zu tun; die in den Medien vorgebrachten Argumente richten sich meist gezielt an Laien und nutzen deren Unkenntnis der grundlegenden Daten und Zusammenhänge aus.“

Angesichts komplexer Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozeane, Landoberfläche, Biosphäre und Kryosphäre (Land-, Schelf- und Meereis) ist es nicht verwunderlich, dass sich Wissenschaftler – zumal aus unterschiedlichen Fachrichtungen kommend – in vielen Detailfragen uneins sind. Doch die vermeintliche Schwäche dieses Systems ist seine eigentliche Stärke: Nur durch (selbst)kritisches Hinterfragen setzen sich belastbare Modelle durch. Im Laufe dieses Prozesses kristallisieren sich dann Grundannahmen heraus. Dazu gehört unter anderem, dass der Klimawandel in vollem Gange ist und Treibhausgasemissionen diesen beschleunigen.

Klimaskeptiker vertreten „Wahrheiten“

Die Denk- und Argumentationsweise der Klimawandel-Leugner ist indes eine völlig andere. Schon der Begriff „Klimaskeptiker“ ist nicht angemessen. Ein Skeptiker im Sinne der GWUP verharrt nicht auf seiner Position, wenn sich der wissenschaftliche Konsens verändert.

Ihre Außenseiterposition verstehen Klimaleugner durchaus zu nutzen. Ihrem Selbstverständnis nach argumentieren sie gegen den (manipulierten) Mainstream und glauben zu wissen, was Wahrheit und was Teil einer großen Verschwörung ist. Anhand sorgsam ausgewählter Zahlen und Details wird Insider-Wissen vorgegaukelt, welches zugleich auch die Unwissenheit des Gegenüber demonstrieren soll. Wie die Leugner der Evolution täuschen auch Klimaskeptiker Argumentationsbereitschaft lediglich vor. Im Unterschied zur wissenschaftlichen Diskussion ist diese ideologisch geprägt und damit nicht ergebnisoffen. Der Erkenntnisgewinn bei derartigen Auseinandersetzungen ist folglich ziemlich begrenzt.

5 Kommentare

  1. Naaaja, Skepsis gegenüber dem vorherrschenden Ansichten ist gut. Erst recht, wenn Leute daraus Profit schlagen wollen. Diese Klimahysterie kommt manchem doch sehr gelegen. Elektroautos, Ökostrom, Energiesparlampen und Bioprodukte haben nämlich eins gemeinsam: sie sind teuer.

  2. @Gunna: Wie gesagt sieht wirkliche Skepsis anders aus. Aus Prinzip dagegen zu sein, ist irgendwann nur noch kontrapoduktiv.

    Dass es Unternehmen gibt, die vom Klimawandel profitieren, muss nichts Schlechtes sein. Hysterie ist natürlich weniger schön. 😉

    Autos mit Verbrennungsmotoren, Glühbirnen und Atomstrom waren am Anfang ihrer Entwicklung übrigens auch teuer (Letzteres heute noch).

  3. Warum wenden sich immer mehr ipcc angehörige ab und stellen unabhängige Untersuchungen an kann man dort nicht freie wissenschaft betreiben

  4. Scheint ja auf fruchtbaren Boden zu fallen, die Klimaskeptik. Selbst wenn fachfremnde Leute Kritik üben, Lobbyisten sind und ihre Aufmerksamkeit nur ihrer Populärität zu verdanken haben (Vahrenholt).

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.