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Klimaschutz in den eigenen vier Wänden

Klimaschutz in den eigenen vier Wänden

Foto: © Anke Stöppel

Nach dem Scheitern des Weltklimagipfels in Kopenhagen ist die individuelle Verantwortung für das Klima größer als je zuvor. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der FH Aachen machte Anke Stöppel einen Selbstversuch in dem sie zeigt, dass schon kleine Verhaltensänderungen im Alltag viel bewirken können. In der inzwischen als Buch erschienenen Arbeit gibt sie insgesamt 310 praktische Tipps und Ratschläge. Ein Gespräch mit der Autorin von Klimaschutz in den eigenen vier Wänden. Ein Selbstversuch.

Du hast an der FH Aachen Visuelle Kommunikation studiert. Wie kamst du auf die Idee, den Klimaschutz zum Thema deiner Diplomarbeit zu machen?
Nachdem ich den Film “Eine unbequeme Wahrheit” von Al Gore gesehen habe, wusste ich, dass ich etwas unternehmen wollte. Zunächst habe ich versucht, einige Freunde davon zu überzeugen, auf Ökostrom umzustellen. Dabei habe ich gemerkt, dass man nicht besonders weit kommt, wenn man andere Leute überreden will. Man kann nur bei sich selbst beginnen.

So machte ich mich also auf die Suche nach Tipps, die mir verraten, was ich alles tun kann. Leider fand ich nur unvollständige Listen. Das hat mich frustriert. So entstand die Idee, selbst eine umfangreiche Sammlung zu erstellen. Damals war mir noch nicht klar, dass ich über 300 Tipps sammeln würde. Natürlich wollte ich auch alle Tipps selbst ausprobieren. So entstand mein Selbstversuch…

Aus der Abschlussarbeit wurde das gleichnamige Buch Klimaschutz in den eigenen vier Wänden. Ein Selbstversuch. Es gibt inzwischen unzählige Bücher zu Klimaschutz und Ökologie. Was unterscheidet deine Arbeit von anderen Veröffentlichungen?
Als meine Diplomarbeit entstand, gab es in Deutschland nur Literatur mit 11, 33 oder höchstens 50 Tipps. Mit meinen 300 gesammelten Tipps lag ich weit darüber. Mittlerweile habe ich dieses Alleinstellungsmerkmal jedoch verloren.

Zum damaligen Zeitpunkt gab es weltweit nur zwei vergleichbare Selbstversuche (die mir bekannt waren). Sie fanden in England (Leo Hickman) und den USA (Colin Beavan) statt. Heute gibt es glücklicherweise mehr Personen (und auch ganze Familien) die vergleichbare Selbstversuche durchführen.

Die Zusammenstellung von theoretischem Text und Selbstversuch in einem Buch ist bis heute einzigartig.

Zudem konnte die Diplomarbeit einige gestalterische Neuerungen aufweisen: Sie bestand aus neun einzelnen Heften, die zu einem Buch zusammengefügt werden konnten. Der Leser konnte die einzelnen Kapitel nach seinen Wünschen umsortieren. So begann die junge Mutter mit dem Kapitel “Kleidung und Ernährung”, während der arme Student im Kapitel “Energie” Sparmöglichkeiten fand, die auch der Haushaltskasse zu Gute kamen. Auf diese Weise entstand ein individueller Farbcode auf dem Buchrücken.

Leider konnte ich keinen Verlag von dieser neuartigen Bindung überzeugen. Daher fordere ich meine Leser auf, das Buch auseinanderzuschneiden, Löcher hineinzubohren, neue Umschläge zu erstellen und somit die Vorteile der Diplomarbeit wieder herzustellen.

Viele der 300 gesammelten Tipps und Ratschläge hast du im Selbstversuch getestet. Welche Verhaltensänderungen fielen dir besonders leicht? Womit hattest du Probleme?
In ganz vielen Bereichen war es so, dass ich mich zunächst mal an die Umstellung gewöhnen musste und dass es mir anschließend recht leicht fiel, die neuen Regeln umzusetzen. Ein Beispiel: Ich wollte auf regionale, saisonale Bio-Lebensmittel achten. Die ersten Einkäufe im Bio-Laden gestalteten sich schwierig, da ich den Laden noch nicht kannte und ständig darauf achten musste, wo die Lebensmittel herkamen und ob das Obst und Gemüse auch zur Saison passt. Doch wenn man erst einmal ein paar Lieblingslebensmittel gefunden hat (die allen Anforderungen gerecht werden), dann wird der Einkauf zusehends einfacher.

Besondere Probleme hatte ich im Bereich Kleidung. Richtige Öko-Kleidung scheint in dieser Gegend (Aachen, Anm. d. Red.) noch Mangelware zu sein. Der Endverbraucher kann kaum nachvollziehen, wo und wie die Kleidung hergestellt wurde. Die verschiedenen Öko-Labels und Etiketten verwirren.

Probleme gab es auch mit dem neuen Bio-Shampoo. Seit dem Selbstversuch habe ich etwa sechs verschiedene Bio-Shampoos ausprobiert und habe nun endlich eines gefunden, mit dem ich zufrieden bin.

Du schreibst, dass durch das Protokollieren des Wasserverbrauchs das schlechte Gewissen zunahm. Kann schlechtes Gewissen zu einer positiven Verhaltensänderung führen?
In der Einleitung meines Buches beschäftige ich mich mit der Frage, was uns dazu veranlasst, unsere alten Gewohnheiten zu ändern und wie wir uns selbst motivieren können. Sicherlich führt ein schlechtes Gewissen in den meisten Fällen eher zur Verdrängung. In meinem Falle war es jedoch positiv, denn es bewirkte, dass ich beim Verbrauchen meines Wassers aufmerksamer war. Am Ende konnte ich stolz darauf sein, dass ich sehr viel Wasser eingespart habe. Dieser Stolz und die Freude über kleine Veränderungen und neue Lösungsansätze waren mein größter Motivator.

Während des Selbstversuchs hast du kaum Fleisch gegessen, Leitungswasser statt Mineralwasser getrunken und nur noch regionale Nahrungsmittel aus kontrolliert ökologischem Anbau zu dir genommen. Was ist besonders empfehlenswert für eine bessere Klimabilanz?
Der Verzicht auf Fleisch. An dieser Stelle möchte ich auch gerne meinen Tipp Nummer 81 vorstellen, der der effektivste Tipp der ganzen Sammlung ist. Minimaler Aufwand für ein maximales Ergebnis: Den Stromanbieter wechseln und Ökostrom beziehen.

Dass Autofahren und Flugreisen dem Klima schaden ist bekannt, trotzdem nimmt der Verkehr immer weiter zu. Lässt sich der Klimawandel mit guten Ratschlägen aufhalten?
Nein. Ich glaube, der Klimawandel lässt sich nur aufhalten, wenn genügend Leute umdenken und ihre Gewohnheiten ändern. Wenn große Konzerne oder die Politik mitziehen würden, wärs natürlich noch besser. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass es viele Menschen gibt, die gerne etwas ändern würden, denen jedoch Anleitung fehlt. Daher ist es wichtig, ihnen Anleitungen anzubieten. Sei es in Form von Einkaufsratgebern (in denen erklärt wird, welches Siegel wofür steht), in Form von Videos und Filmen oder eben in Form eines Buches.

Warum halten wir an unseren Konsumgewohnheiten fest, obwohl die Auswirkungen des Klimawandels immer offensichtlicher werden?
Auch dazu findest du einen ausführlichen Text im ersten Kapitel meines Buches. Hier ein paar Erklärungsansätze:

Ich glaube, ein wichtiger Faktor ist, dass der Klimawandel oft negativ besetzt ist. Zum Beispiel mit Angst. Dazu kommt das “ich kann ja eh nichts ausrichten”-Gefühl. Daher reagieren wir mit Resignation und Verdrängung. Außerdem ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Hat er sich erst einmal an etwas gewöhnt, das scheinbar gut funktioniert, so ist er kaum bereit, sein Verhalten grundlegend zu ändern. Dazu kommt, dass die Menschen nach Wohlbefinden streben und Angst haben, aus ihrer Komfortzone heraustreten zu müssen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Wir sind Rudeltiere. Was der Nachbar nicht macht, das mache ich auch nicht. Oder noch schlimmer: Was denkt der Nachbar von mir, wenn ich dies oder jenes tue? Denkt er dann schlecht über mich? Na, dann lass ich das mal lieber…

Inwiefern hat der Selbstversuch eigentlich deinen Alltag verändert?
Während des Selbstversuches stand mein Alltag natürlich Kopf, denn bei jeder Handlung und jedem Einkauf musste ich an meine Regeln und Tipps denken. Nach dem Selbstversuch stellte ich mir selbst frei, ob ich bei den neuen Regeln bleiben wollte oder wieder in die alten Gewohnheiten zurückkehren wollte. In sehr vielen Bereichen bin ich bei den neuen Regeln geblieben. Sie sind für mich ganz selbstverständlicher Alltag geworden.

Ungelöste Probleme aus dem Selbstversuch trage ich weiterhin mit mir herum. Oftmals findet sich nach einiger Zeit eine Lösung. So habe ich nach einigem Herumprobieren ein passendes Bio-Shampoo gefunden.

Wo kann man Klimaschutz in den eigenen vier Wänden. Ein Selbstversuch. bestellen?
Zum Beispiel bei Amazon. Aber auch bei vielen anderen Händlern.

Anke, vielen Dank für das Gespräch!

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  1. Pingback: Klimaschutz in den eigenen vier Wänden. | Anke im Interview

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