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Käfighaltung: Tierschützer fordern kürzere Übergangsfrist

Eier

Foto: eier von acht&siebzig (CC BY-SA 2.0)

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Oktober 2010 die “Kleingruppenhaltung” aus formalen Gründen untersagt und eine Neuregelung bis März kommenden Jahres gefordert. Der Bundesrat will die Käfighaltung bei der Gelegenheit nun ganz abschaffen. Tierschützer kritisieren die lange Übergangsfrist im Gesetzesentwurf von Bundesministerin Ilse Aigner.

Ein DIN-A4-Blatt Platz

Vom kommenden Jahr an gelten in der EU höhere Mindeststandards für die Käfighaltung. Demzufolge müssen für Hennen mehr Platz, ein Scharrbereich, Sitzstangen und Nester zur Verfügung gestellt werden. Weil die konventionelle Käfighaltung hierzulande seit 2008 verboten ist, haben viele Geflügelbetriebe auf die von der Industrie als “Kleingruppenhaltung” bezeichnete Käfighaltung umgerüstet. Obwohl diese zwar über die Vorgaben der EU hinausgeht, kann aus Sicht von Tierschützern von „artgerechter“ Haltung nicht die Rede sein. In den Käfigen für bis zu 60 Tiere hat jede Henne nur wenig mehr als ein DIN-A4-Blatt Platz.

Die Mehrheit im zuständigen Bundesrat fordert ebenfalls ein Ende der Käfighaltung. Aus diesem Grund steht der Ausstieg nun sogar im Gesetzesentwurf von Landwirtschaftsministerin Aigner. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte kritisiert allerdings die darin vorgesehene Übergangsfrist. So sollen die bestehenden Kleingruppenkäfige noch rund 25 Jahre weiterbetrieben werden dürfen.

Übergangsfrist auf Kosten der Hennen

Auffällig ist dabei, wie sehr diese Zeitspanne doch den Forderungen von Bauernverband und Geflügelwirtschaft entspricht: „Die Politik muss anerkennen, dass die Kleingruppenhaltung heute bereits einen Anteil von 18% erreicht hat und in dieser Haltungsform Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro von den überwiegend bäuerlichen Legehennenhaltern getätigt wurden. Die für diese modernen Anlagen kalkulierte Nutzungsdauer liegt bei mindestens 30 Jahren.“

Damit sich die Investitionen der Geflügelbetriebe rentieren, sollen Legehennen also weiter der Käfighaltung ausgesetzt werden. Dabei haben die betreffenden Unternehmen ihre Fehlinvestition doch selbst zu verantworten. Schließlich hatte Rheinland-Pfalz bereits bei Beschluss der aktuellen Haltungsvorgaben angekündigt, gegen die neue Kleingruppenhaltung Normenkontrollklage einzureichen.

In einer Online-Petition der Albert Schweitzer-Stiftung können Sie die Bundesministerin auffordern, sich anstelle der Übergangsfrist für ein schnell greifendes Käfigverbot einzusetzen. Und letztlich hat der Verbraucher auch selbst die Wahl: Wer Eier mit einem mit 0 oder 1 beginnenden Code kauft kann sicher sein, dass diese aus ökologischer bzw. Freilandhaltung kommen.

2 Kommentare

  1. Rechtlich ist eine Übergangsfrist allenfalls bis zur Abschreibung der Anlagen geboten. Das würde lt. Abschreibungsvorgaben allenfalls acht Jahre dauern.

    Schon bei Zulassung der Kleingruppen-Käfige war bekannt, dass zeitgleich eine Normenkontrollklage dagegen eingereicht worden war. Jeder Halter wusste daher um die unsichere Rechtslage. Es konnte also jeder wissen, auf was er sich da einließ.

    Käfige sind weder für Hühner noch für Kaninchen artgerecht. Die empfindlichen Füße und Pfoten benötigen Sand, Erde und Stoh zum Scharren, Kratzen und zur Beschäftigung, sowie als weichen Sitzplatz. Die Brustbeine von Hennen brechen oder verbiegen oft, wenn die Tiere ständig auf Stangen sitzen müssen – das ist leider auch in der viel zu engen Bodenhaltung der Fall! Artgerecht ist für Hennen daher nur das Freiland oder die Bio-Haltung und selbst dort sollte man sich den Hof am besten einmal selbst anschauen, da es auch schon einige Riesenbetreibe gibt, in denen nur ein Teil der Tiere ins Freiland gelangt.

    Es sollte aufgehört werden, Tiere bei harmlosen Grippeerkrnkungen, die für den Menschen harmlos sind, grausam zu “keulen”, was mit CO2 zu Erstickungszuständen führt. Auch sollten Stallbetriebe endlich so streng kontrolliert werden wie Freilandbetriebe, was momentan lt. Geflügelpestschutzverordnung nicht der Fall ist. In Stallbetrieben gibt es oft gefährliche, antibiotikaresistente Erreger – und die Geflügelgrippe wird dort mangels Tests zumeist gar nicht gefunden, obgleich sie dort häufig auftritt, wie die vielen Zufallsfunde belegen.

    Nur, wenn es endlich faire Gesetze für Freilandhaltung gibt, wird es auf Dauer möglich sein, Tiere ihren Bedürfnissen gemäß in Deutschland zu halten!

  2. Aus Gründen des Tierschutzes, des Naturschutzes, der Lebensmittelhygiene und des Arbeitsschutzes ist die Haltung in größeren Käfigen mit kleinen Gruppen am besten für die Hühner, die Natur und die Mitarbeiter einer “Farm” (Dazu gibt es detailiertere Untersuchungen der UNI Vechta).

    Gründe: In der Bodenhaltung ist der Amoniakgehalt in der Luft und am Boden so hoch, dass Haut und Lungen der Tiere (und Menschen) leiden, die Keimbelastung fordert einen deutlich höheren Medikamenteneinsatz (Antibiotikaresistenzen!) und in den großen Gruppen können sich keine stabilen sozialen Strukturen (Hackordnung!) bilden, was zu intraspezifischer Aggression führt.

    Ähnliche Probleme gibt es bei der Freilandhaltung von mehreren tausend Hühnern. Hier kommen zudem noch ungewollte Kontakte mit Wildvögeln (Fasane, Rebhühner!), was seuchentechnisch meiner Meinung nach nicht zu unterschätzen ist. Ähnliche Problematiken sind auch von Zucht- und Wildlachs bekannt, wo der Wildlachs der ist, der den kürzeren zieht…

    Wer gesunde, glückliche Hühner will, muss sie selbst in kleinen Gruppen hinterm Haus halten! Alles andere fordert Kompromisse, die man bereit sein muss einzugegen. Oder man verzichtet komplett auf Geflügel – was aber wirtschaftlich in Deutschland nicht durchzusetzen sein wird. Dann kommen die Eier für Fertigprodukte und Süßwaren eben aus der EU oder sonst wo her, wo wir gar keinen Einfluss auf Haltung und Ernährung der Tiere haben…

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