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In Vancouver ist nur die Hoffnung grün

Logo Olympia 2010 in Vancouver

Bild: Olympia 2010 Logo

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte im Vorfeld „grüne Spiele“ versprochen. Im Gegensatz zu herkömmlichen sportlichen Großveranstaltungen sollte in Vancouver mehr Rücksicht auf die Umwelt genommen werden. In Wirklichkeit mussten auch für Olympia 2010 wieder tausende Bäume weichen für neue Stadien, Straßen, Pisten und Sprungschanzen. Können diese Spiele wirklich als „grün“ bezeichnet werden?

Klima-neutrale Spiele: Anspruch und Wirklichkeit

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: insgesamt kosten die Olympischen Winterspiele in Vancouver 300.000 Tonnen zusätzliches Kohlenstoffdioxid. Diese sollten zumindest teilweise durch den Bau energieeffizienter Sportstätten kompensiert werden. Die übrigen Emissionen wollten die Veranstalter durch Klimaprojekte ausgleichen und so die ersten klimaneutralen Winterspiele überhaupt realisieren.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Denn die Rechnung der Organisatoren klammert die Klimabelastung durch die zehntausenden Besucher aus. Für die hier verursachten 130.000 Tonnen CO2 müssten die Anreisenden somit selbst aufkommen. Und selbst durch die teils innovativen und ambitionierten Sparmaßnahmen konnte der Treibhausgas-Ausstoß um nur 15 Prozent reduziert werden.

Highway ohne Autos

Es gab bereits im Vorfeld berechtigte Zweifel an der Umweltverträglichkeit von Olympia 2010. Ein Beispiel ist der Bau einer knapp 100 Kilometer langen Autobahn nach Whistler, dem Austragungsort der alpinen Disziplinen. Für den schnellen wie bequemen Transport von Sportlern wie Besuchern wurde den Protesten von Natur- und Umweltschützern zum Trotz eine breite Schneise in den bewaldeten Berg geschlagen. Zu dem vorgesehenen Shuttle-Service mit Wasserstofffahrzeugen kommt es jedoch nicht – der Wasserstoff müsste aus dem über 5.000 Kilometer entfernten Quebec hergeschafft werden. Dem Projekt fielen nicht nur zahlreiche Bäume zum Opfer, sondern auch rund 100 Millionen kanadische Dollar allein für die betriebsunfähigen Wasserstoff-Busse. Der Ausbau der bereits existierenden Bahnstrecke hätte weniger Umweltschäden und Kosten verursacht.

Olympia 2010 kostete mindestens 100.000 Bäume

Während es in Deutschland so viel Schnee gibt wie seit Jahrzehnten nicht mehr, hatte ausgerechnet der Austragungsort der Olympischen Winterspiele in Kanada in den letzten Wochen mit dem Gegenteil zu kämpfen. Der Pazifikstrom „El Ninio“ ließ die Temperaturen zeitweise auf bis zu zehn Grad ansteigen. Mit Trockeneis wurde versucht, die dünne Schneedecke zu erhalten. 170 LKW transportierten Unmengen an Schnee in die allzu grünen Sportstätten, bis kurz vor Veranstaltungsbeginn natürlicher Schneefall einsetzte.

Insgesamt wurden für den Bau von Straßen, Unterkünften, Sprungschanzen, Pisten und anderen Sportstätten mehr als 100.000 Bäume gefällt. Umweltorganisationen wie Greenpeace kritisieren zudem die Auswahl der Sponsoren. So fördern bzw. betreiben die Unternehmen „Royal Bank of Canada“ und „Petro Canada“ die äußerst klimaschädigende Ölförderung aus Teersanden.

Grün ist die Farbe der Hoffnung

Ob die Olympischen Spiele in Vancouver als grün zu bezeichnet werden können, hängt wie so oft ab vom Standpunkt des Betrachters. Mit Sicherheit werden sie unterm Strich nicht klimaneutral ausfallen. Sehr wohl dürfte es schwer bis unmöglich sein, eine derart große Veranstaltung jemals umweltschonend durchzuführen. Selbst wenn diese Spiele nicht wirklich grün sind: Umwelt- und Klimaschutz sind nun auch bei den Olympischen Spielen angekommen. Und daran werden auch künftige Olympiaden gemessen.

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