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Grüne Gentechnik, Lobbyismus und Intransparenz

Gentechnik auf dem Feld

Foto: InnoPlanta-AGIL Feldtag in Zepkow_4 von BASFPlantScience (CC BY 2.0)

Obwohl die große Mehrheit der Deutschen die grüne Gentechnik ablehnt, wird im AgroBioTechnikum bei Rostock seit Jahren mit Steuergeldern Gentechnik-Forschung betrieben. Der Fall zeigt die Folgen der fortgeschrittenen Verquickung von Wissenschaft, Industrie, Behörden und Politik. Ein Erfolg jahrelanger Lobby-Arbeit.

Nach Angaben der Ostsee-Zeitung sind seit 2001 Subventionen in Höhe von rund 15 Millionen Euro in das Gentechnikzentrum bei Rostock geflossen. So hätten Unternehmen wie BASF und Monsanto auf Kosten der Steuerzahler profitable Grundlagenforschung betreiben und dabei fast 100 Millionen an Entwicklungskosten eingespart. Für Burhard Roloff vom BUND ist das Genforschung, „die den Mehrheitswillen der Bürger ignoriert.“

Intransparenz als oberstes Gebot

Wer über gewachsene, persönliche Beziehungsgeflechte verfügt, kann Entscheidungen auch gegen den demokratischen Willen der Mehrheit durchsetzen. Nicht ohne Grund ließ sich die europäische Gentechnik-Branche bereits in den neunziger Jahren von einer einschlägigen PR-Agentur beraten. Burson Marsteller hatte bereits Erfahrung in der Imagepflege für umstrittene Diktaturen, Chemie- und Atomkonzerne. Selbstbewusst gibt die Agentur zu verstehen, was sie unter PR versteht: „Bei Burson-Marsteller sind wir sicher, dass Kommunikation mehr erreichen muss als nur Images zu beeinflussen. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, das Verhalten ihrer Zielgruppen zu verändern – nachhaltig und messbar.“

Also gaben die Berater den unpopulären Gentechnik-Unternehmen den Rat, nicht für sich selbst zu sprechen. Die Veränderung des Verhaltens der Zielgruppen sollten stattdessen scheinbar neutrale Stellen übernehmen. Ein wertvoller Tipp für erfolgreiche Lobby-Arbeit. Tatsächlich bleiben Unternehmen wie BASF, Bayer und KWS in der öffentlichen Debatte um die grüne Gentechnik auffällig unauffällig. Die einseitige Fokussierung der Öffentlichkeit auf Monsanto, dem Inbegriff des bösen multinationalen Gentechnik-Konzerns, kommt der hiesigen Branche zusätzlich entgegen. Dabei hat sich die deutsche KWS Saat AG längst zu einem der weltweit führenden Produzenten von gen-manipuliertem Saatgut entwickelt.

Verflechtung von Wissenschaft und Gentechnik

Der Fall AgroBioTechnikum dürfte vor allem deshalb in die Schlagzeilen geraten sein, weil sich das Land Mecklenburg-Vorpommern den kostspieligen Gentechnik-Park schlicht nicht mehr leisten kann. Auf diese Weise aber geraten einschlägige Namen und Organisationen zumindest zeitweise in den Blick der Öffentlichkeit. So ist Initiator der Forschungsanlage der (gemeinnützige) „Verein zur Förderung innovativer und nachhaltiger Agrobiotechnologie“ (FINAB). Gründerin des Vereins ist Inge Broer. Neben ihrer Tätigkeit als Professorin für Agrobiotechnologie an der Universität Rostock ist die Beamtin auch Inhaberin von insgesamt neun Patenten auf Gene. Dem FINAB wiederum gehört zu 100 Prozent die bioOK! GmbH – ein privatwirtschaftliches Forschungunternehmen, dessen Gründung das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit knapp 4,4 Millionen Euro kofinanziert hat.

Das eigentliche Zentrum des deutschen Gentechnik-Lobbyismus aber befindet sich in einem kleinen Ort namens Gatersleben in Sachsen-Anhalt. Der hier ansässige Verein InnoPlanta ist regelmäßiger Treffpunkt ranghoher Politiker, Wissenschaftler und Industrievertreter. Auf dem letzten InnoPlanta Forum ging es bspw. um die Frage „Kann Europa noch länger auf die Grüne Gentechnik verzichten?“. Die Antworten der Wissenschaft dürften zunehmend eindeutig ausfallen, schließlich sind das Leipniz Institut, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Fachhochschule Anhalt ganz offiziell Mitglieder von InnoPlanta.

Exzellente Kontakte zu Politik und Behörden

In einem Bericht über die Netzwerkstrukturen in der Agro-Gentechnik im Auftrag der Grünen-Politikerin Ulrike Höfken kommen Antje Lorch und Christoph Then zu einem eindeutigen Ergebnis: „Demnach können die Politiker und die Öffentlichkeit tatsächlich nicht darauf vertrauen, dass ihre Behörden (bzw. deren Experten) einen ausreichend großen Abstand zu den Interessen der Industrie haben. Im Gegenteil finden sich deutliche Hinweise darauf, dass von verschiedenen Akteuren, zum Teil über lange Zeiträume, die notwendige Unabhängigkeit missachtet, ausreichende Transparenz verhindert und die aktive Wahrnehmung von Kontrollaufgaben vernachlässigt wurde.“

Die Studie bestätigt die genannte Strategie, wonach selten die Konzerne selbst im Zentrum der Verflechtung stehen, sondern spezialisierte Tarnkappenstrategen mit „exzellenten“ Kontakten zu Behörden, Politik, Medien und Unternehmen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass Broer und Kollegen nun in Sachsen-Anhalt einen neuen Gentechnologie-Park aufbauen wollen. Dort kennt man sich ja bereits.

2 Kommentare

  1. Lobbyisten gibt es überall, gerade auch in der „grünen“ Branche (Windkraft, Photovoltaik etc.)… solche Strategien sind nichts typisch gentechnisches. Und weil es eben alle machen, ist jede Branche fast schon gezwungen Lobbying zu betreiben. Somit gleicht sich das aush wird quasi wieder demokratisch.

    • Hallo Nanopartikel,

      demokratisch wäre es, den Mehrheitswillen der Bevölkerung zu akzeptieren, also alle Subventionen (auch die indirekten über Unis etc.) einzustellen. Demokratie bedeutet (im ursprünglichen Sinne) ja nicht, dass man für sein Mitspracherecht zahlen muss. Abgesehen davon würde sich Lobbying verschiedener Branchen nur dann „ausgleichen“, wenn alle Akteure die gleichen Bedingungen hätten.

      Natürlich gibt es diese Einflussnahme auch in anderen Bereichen, doch die Gentechnik-Industrie ist nun mal besonders aktiv. Wie aktiv, zeigt der Plan der EU-Kommission, nun auch für Lebensmittel eine Toleranzschwelle von 0,1 Prozent für in der EU nicht zugelassene GVO einzuführen.

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