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Greenwashing (4): „HolzProKlima“

Baumstämme

Foto: Holz von Hellgirl2010 (CC BY 2.0)

HolzProKlima heißt die aktuelle Kampagne der deutschen Holzindustrie. Doch geht es der Branche tatsächlich um den Schutz des Klimas? Der vehemente Widerstand gegen jegliche Ausweisung natürlicher Flächen in Schutzgebiete zeigt, dass Klimaschutz vielmehr ein willkommenes Mittel zum Zweck ist.

Holzindustrie wächst

Die deutsche Holzindustrie ist hierzulande eine der größten Wirtschaftszweige. Nach Angaben des Bundesverbands Säge- und Holzindustrie Deutschland (BSHD) arbeiten fast eine Million Menschen in den insgesamt 160.000 Betrieben der Forst- und Holzwirtschaft. Der jährliche Umsatz beträgt rund 114 Milliarden Euro. Trotz trüber Konjunkturaussichten ist von Krise keine Spur: „Wenn es nicht knallt, erwarten wir ein Umsatzwachstum von mindestens fünf Prozent“, sagt Johannes Schwörer, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie.

„HolzProKlima“ für den Klimaschutz?

Damit das Wachstum weiter geht, hat die Branche pünktlich zur Weltklimakonferenz eine „Aufklärungskampagne“ ins Leben gerufen. HolzProKlima soll die Bedeutung von Holzprodukten für das Klima ins öffentliche Bewusstsein rücken: „Der deutsche Wald und die aus seinem Holz hergestellten Produkte kompensieren jedes Jahr den Kohlendioxidausstoß von rund zwei Dritteln des deutschen PKW-Bestandes. (…) Je mehr und länger wir Holzprodukte in unserem Alltag verwenden, desto stärker entlasten wir das Klima von Treibhausgasemissionen.“

Bei genauerem Hinsehen darf allerdings bezweifelt werden, dass es der Branche dabei wirklich um Klimaschutz geht. Ob in Rheinland-Pfalz, Ostwestfalen-Lippe, Steigerwald oder Nordschwarzwald: überall, wo neue Naturschutzgebiete eingerichtet werden sollen, geht die Holz- und Sägeindustrie auf die Barrikaden. Dabei wird neben dem Argument Arbeitsplatzverlust in letzter Zeit vermehrt der Schutz des Klimas ins Spiel gebracht. So spricht sich denn auch Denny Ohnesorge, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Rohholzverbraucher (AGR), gegen die großräumige Ausweisung von „Totalschutzgebieten“ in Rheinland-Pfalz aus und betont: „Wir haben die Möglichkeit, durch die Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes zur Lösung eines unserer dringlichsten Probleme, dem Klimawandel, beizutragen.“

Nationalparke erhalten Artenvielfalt

Die Artenvielfalt ist in naturbelassenen Wäldern höher als in Wirtschaftswäldern. Deutschland hat daher im Jahr 2007 im Rahmen der nationalen Biodiversitätsstrategie beschlossen, fünf Prozent der deutschen Waldfläche dauerhaft aus der forstlichen Nutzung zu nehmen. Nach Angaben von Greenpeace sind bislang jedoch weniger als ein Prozent der deutschen Wälder geschützt. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, begrüßt daher die Diskussionen um die Ausweisung von neuen Nationalparken: „Unsere Nationalen Naturlandschaften sind von nationaler bis internationaler Bedeutung für den Naturschutz und tragen darüber hinaus auch wesentlich zur regionalen Wertschöpfung bei.“

Für die Holzindustrieverbände ist Klimaschutz lediglich Mittel zum Zweck. Das eigentliche Ziel von HolzProKlima besteht darin, den Widerstand der Branche gegen die Ausweisung neuer Nationalparke zu legitimieren und ein grünes Mäntelchen umzuhängen. Kein Problem hat der Verband offensichtlich mit dem Versuch, den Klima- gegen den Naturschutz auszuspielen. Davon abgesehen, dass naturbelassene Wälder ebenfalls wertvolle CO2-Speicher darstellen, spielt die schwindende Artenvielfalt in der Greenwashing-Kampagne keine Rolle. Die Strategen der Holz- und Sägeindustrie ahnen wohl, dass ihr Profit ein wenig überzeugendes Argument ist.

2 Kommentare

  1. Was will man anderes erwarten von Interessenverbänden? Dass die Kampagnen starten ohne Eigeninteresse ist unrealistisch. Aber es ist schon in der Tat ganz schön dreist, dass ausgerechnet Baumfäller einen auf Klimaschutz machen. Entweder halten die die Bevölkerung für so dumm, dass diese so etwas glaubt. Oder wir sind längst so weit, dass wir so etwas glauben…

  2. dass die holzverarbeiter eigene, andere als die propagierten interessen verfolgen, mag sein. doch das ändert nichts an der richtigkeit ihrer argumentation. holz ist nunmal ein natürlicher, nachwachsender co2-speicher. und den gilt es vermehrt zu nutzen.

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