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Greenwashing (1): Lufthansa

Lufthansa Flugzeug

Foto: Lufthansa Boeing 737 von daspaddy (CC BY 2.0)

Nun will auch die Lufthansa klimafreundlich werden. In einem Langzeittest soll ein Airbus A321 sogenanntes „Biokerosin“ tanken und so rund 1.500 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) einsparen. Tatsächlich aber werden für den Anbau von Energiepflanzen Waldflächen zerstört und somit das Klimaproblem weiter verschärft.

„Burnfair“ nennt die Kranich-Linie ihr Pilotprojekt, welches klimaschonendes Fliegen möglich machen soll. Eine Maschine auf der Strecke Hamburg-Frankfurt wird sechs Monate lang zu 25 Prozent mit „Biosprit“ betankt, einem Gemisch aus Pflanzenölen und tierischen Fetten. Neben der CO2-Reduktion gibt das Unternehmen als Ziel der Praxiserprobung an, die Auswirkungen von Biokraftstoffen auf Wartung und Lebensdauer der Triebwerke untersuchen zu wollen.

Greenwashing mit Steuergeldern

Für Kritiker ist das Projekt der Lufthansa ein klassisches Beispiel von Greenwashing. Zwar gewährleistet die Luflinie „(…) dass die Produktion des Biokraftstoffes nicht in Konkurrenz zur Herstellung von Nahrungsmitteln steht und für die Gewinnung kein Regenwald gerodet wird.“ Gesche Jürgens von Greenpeace sieht das anders: „Über kurz oder lang werden die Sprit-Hersteller auf die fruchtbaren Anbauflächen für Nahrungsmittel ausweichen, um die Erträge zu steigern – und für beide ist schlichtweg nicht genug Platz da.“

Diese Befürchtungen kommen nicht von ungefähr. Nach Angaben des BUND plant die Lufthansa im Jahr 2025 eine Menge von Agrosprit einzusetzen, für die eine Anbaufläche mindestens von der Größe Niedersachsens benötigt würde. Dabei sind die negativen Auswirkungen von Biotreibstoffen längst bekannt. Gleich vier aktuelle von der EU beauftragte Studien zeigen, wie Regenwälder und andere Ökosysteme durch die „Biosprit“-Produktion direkt und indirekt in Monokukturen umgewandelt werden. Demnach werden „allein durch die indirekten Landnutzungsänderungen in Folge der Agrospritziele der EU (…) zusätzlich 1.000 Megatonnen CO2 freigesetzt; das entspricht mehr als den doppelten jährlichen Emissionen Deutschlands.“

Klimaschonend fliegen geht nicht

Aus guten Gründen fordern auch die Vereinten Nationen und Weltbank, die Förderung für Biokraftstoffe einzustellen. Warum das Bundeswirtschaftsministerium das Projekt dennoch mit 2,5 Millionen Euro fördert, bleibt ein Geheimnis. Die Motivation der Lufthansa hingegen ist klar: Es geht um ein gutes, grünes Image. Denn ein Unternehmen, welches jeden Tag 30 Millionen Liter Kerosin auf Erdölbasis verbrennt, kann einfach nicht klimaschonend arbeiten. Ironischerweise testet die Fluglinie den „klimafreundlichen“ Sprit denn auch ausgerechnet auf einer Kurzstrecke. Dabei ist doch gerade hier das Potential für Klimaschutz am größten: Nämlich indem man einfach auf das Fliegen verzichtet.

2 Kommentare

  1. Und alle so ‘yeah’. Am besten erfinden sie das Fliegen nochmal komplett neu, denn so wie bisher kann das eigentlich nicht weitergehen. Vielleicht sollte sich die Flugindustrie mal ein bisschen was von der Autoindustrie abgucken oder so.

  2. Die Autoindustrie machts doch nicht besser! VW hat letztens erst mit der selbst erfundenen Effizienzklasse “H” von sich reden gemacht. Das ist dreist, nicht innovativ. Greenpeace hat deshalb auch eine Kampagne gegen den Konzern gestartet.

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