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Gekaufte Wahrheit

Ignacio Chapela

Foto: Ignacio Chapela

In den Filmen David gegen Monsanto, Tote Ernte und Der achte Schöpfungstag geht es immer wieder um Bauern, Wissenschaftler und Verbraucher, die den Versprechungen der großen Chemie- und Nahrungsmittelkonzerne nicht glauben. In seiner neuen Dokumentation Gekaufte Wahrheit – Gentechnik im Magnetfeld des Geldes widmet sich Bertram Verhaag daher nicht zufällig der Genforschung.

Koexistenz findet nicht statt

Vor zehn Jahren hat das Wissenschaftsmagazin Nature erstmals in seiner 137-jährigen Geschichte einen Artikel zurückgezogen. Darin berichtete der angesehene Biologe Dr. Ignacio Chapela über die Vermischung von einheimischen Maissorten im mexikanischen Oaxaca mit gentechnisch veränderten. Die Vermischung ist insofern besonders heikel, weil gerade von hier aus der Mais seinen Siegeszug als eine der wichtigsten Kulturpflanzen angetreten hat. Genetisch manipulierter Mais war somit in das genetische Reservoir der Urmais-Sorten eingedrungen. Noch während der Verteilung der Ausgabe trafen unzählige E-Mails in der Redaktion von Nature ein, in denen die Kompetenz und auch die Persönlichkeit des Wissenschaftlers bezweifelt wurden. Erst im Nachhinein wurde bekannt, dass diese Aktion vom US-Agrarunternehmen Monsanto initiiert worden war. Die Öffentlichkeit sollte weiter glauben, dass die Koexistenz von natürlichen und gentechnisch veränderten Pflanzen möglich ist.

Gekaufte Wahrheit in der Wissenschaft

Wie groß die Einflussnahme von Monsanto und anderen Gentechnik-Betreibern auf Wissenschaft und Politik schon lange ist, zeigt auch der Fall von Dr. Árpád Pusztai. Im August 1998 gab der Lebensmittelforscher im britischen Fernsehen ein kurzes Interview. Zwar sei er von den Vorteilen gentechnisch veränderter Nahrungsmittel überzeugt. Vorab sollten jedoch unbedingt Langzeittests durchgeführt werden. Er selbst würde zum derzeitigen Kenntnisstand keine genveränderte Nahrung zu sich nehmen. Was kaum verwunderlich ist: Seine Tests mit gentechnisch veränderten Kartoffeln führten bei den Laborratten zu massiven Organschäden, Entzündungen und Beeinträchtigungen des Immunsystems. Wenige Tage nach dem Interview wurden die Ergebnisse konfisziert und dem Wissenschaftler gekündigt.

Dr. Árpád Pusztai und Dr. Ignacio Chapela betonen seitdem immer wieder, dass die Gentechnikindustrie nicht nur Bauern in Abhängigkeit stürzt. Zunehmend wird auch die Freiheit von Wissenschaft und Forschung durch einflussreiche Profiteure der Gentechnik eingeschränkt. Verhaags Dokumentarfilm Gekaufte Wahrheit – Gentechnik im Magnetfeld des Geldes läuft ab sofort im Kino.

Toleranz für Gen-Saatgut?

Am 18. März entscheidet übrigens der Bundesrat, ob Saatgut künftig ohne Kennzeichnung mit Samen von gentechnisch veränderten Organismen verunreinigt sein darf. Gentechnik würde sich dadurch unkontrolliert ausbreiten und letztlich in unserem Essen landen. Bei Compact können Sie Ihren Ministerpräsidenten per E-Mail dazu auffordern, gegen den Antrag zu stimmen.

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