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Fraunhofer-Prognose: Grüne Städte und weniger Autos

Grüne, verkehrsberuhigte Städte mit Platz für Fußgänger und Radfahrer, flächendeckend Car-Sharing-Parkplätze und Radstationen. Durch die Anbindung an das öffentliche Verkehrssystem wird das Leben auch auf dem Land urbaner. Einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) zufolge ist im Jahr 2050 ein nachhaltiges Verkehrssystem möglich.

Angesichts der gegenwärtigen Verkehrssituation hört sich die „Vision für nachhaltigen Verkehr in Deutschland“ (VIVER) des Fraunhofer-Instituts an wie von einem anderen Stern. Nach Lärm, Luftverschmutzung, Unfällen und geografischer Zerschneidung durch Straßenbau werden sich demnach nachhaltige Ansätze auch im Verkehr durchsetzen. Voraussetzung dafür ist technologischer Wandel sowie eine stärkere gesellschaftliche Wertschätzung des Klima- und Umweltschutzes.

Personenverkehr wird deutlich abnehmen

So gehen die Autoren in ihrem Szenario davon aus, dass der Personen- und Güterverkehr bis 2050 nicht weiter zunimmt. Im Gegenteil: Während das Güterverkehrsaufkommen stagniert, wird der Personenverkehr dank Geburtenrückgang, strukturellen Verbesserungen und individueller Verhaltensänderung sogar stark zurückgehen. Das Auto wird seinen Wert als Statussymbol endgültig einbüßen. Die treibende Kraft der Veränderung wird den Autoren zufolge die Verknappung fossiler Energieträger und die zunehmende Bedeutung des Klimaschutzes sein.

Der technologische Fortschritt drückt sich unter anderem darin aus, dass neue Antriebstechnologien entwickelt und Fahrzeuge im Leichtbau produziert werden können. Zudem werden die Verkehrssysteme in Zukunft intelligenter miteinander vernetzt. Dr. Wolfgang Schade, Projektleiter am Fraunhofer ISI, ist sich sicher: „Wir haben eine Vision entwickelt, die aus unserer Sicht ein realisierbares, umfassendes, anschauliches und positives Bild der notwendigen und möglichen Veränderungen unserer Verkehrssysteme hin zur vielfach geforderten Nachhaltigkeit im Verkehr beschreibt.“

Multimodale Mobilität statt Individualverkehr

Wie das konkret aussehen kann, macht die Studie mit dem Begriff „multimodale Mobilität“ deutlich. Indem das Auto seine Rolle als Statussymbol verliert, wird es pragmatisch und rational genutzt. Dadurch wird die flexible, kombinierte Verwendung unterschiedlicher Verkehrsmittel überhaupt erst möglich. An die Stelle des Individualverkehrs tritt die vernetzte Mobilität mit standardisierten Informations- und Buchungssystemen. Die Vernetzung und Nutzung von Car- und Bike-Sharing, Bussen und Bahnen, Mitfahrgelegenheiten, Mietwagen, Taxis und Lieferdiensten ist nicht nur umweltschonend, sondern senkt die Mobilitätskosten in erheblichem Maße. Smartphones informieren über Möglichkeiten, wie man am schnellsten und günstigsten zum Ziel kommt. Und letztlich machen grüne Innenstädte auch die Fortbewegung zu Fuß wieder attraktiver.

Die „Vision für nachhaltigen Verkehr in Deutschland“ zeigt, dass nachhaltiger Verkehr möglich und nötig ist. Die dafür notwendigen Maßnahmen betreffen verschiedene Lebensbereiche und müssen konsistent aufeinander abgestimmt werden. Besonders in Städten sind Veränderungen möglich, welche die Lebensqualität ihrer Bewohner deutlich steigern würden.

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