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Flächenverbrauch: DBV in der Kritik

Flächenverbrauch

Foto: Freie Flächen werden knapp

Wohnsiedlungen, Straßen und Gewerbegebiete beanspruchen immer mehr Fläche. Für Ackerland, Wald und Wiese bleibt da kaum noch Platz. Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat eine umstrittene Kampagne gegen den Flächenverbrauch gestartet.

Natur und Landwirtschaft unter Druck

Der demografischen Entwicklung zum Trotz wird in Deutschland jeden Tag eine Fläche von 90 Hektar (oder 120 Fußballfeldern) zugebaut. Neuen Autobahnen, Wohn- oder Gewerbegebieten müssen meist landwirtschaftliche oder Grünflächen weichen. So versiegelte Areale gelten als Hauptursache für das Artensterben, weil sie für Tiere und Pflanzen komplett verloren gehen. Das Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, den Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren, liegt in weiter Ferne.

Kampagne gegen Flächenverbrauch

Weil die wachsenden Verkehrs- und Siedlungsflächen zunehmend auch die landwirtschaftliche Produktion verdrängen, hat der DBV die Kampagne „Stoppt Landfraß“ ins Leben gerufen. Eine eigens eingerichtete „Flächenuhr“ demonstriert eindrucksvoll den Flächenverlust in Echtzeit. Mit einer Petition an den Deutschen Bundestag fordert der Verband ein Gesetz zum Flächenschutz. Demnach steht die Landwirtschaft vor Herausforderungen wie der wachsenden Weltbevölkerung, einem steigenden Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen, dem Trassenausbau der Stromleitungen sowie dem Erhalt der Artenvielfalt. „Die Entsiegelung muss Vorrang vor der weiteren Versiegelung von Böden haben,“ heißt es in der Petition.

Den fortschreitenden Flächenverbrauch kritisieren auch Umweltorganisationen bereits seit Jahren. Dennoch fordern sie den Bauernverband zum Stopp der Kampagne auf. Schließlich stehe dahinter weniger das Anliegen, flächenfressende Baumaßnahmen zu reduzieren, sondern vielmehr die gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen zu stoppen. Diese besagen nämlich, dass für jede Flächenversiegelung ein gleichwertiger Ausgleich an der Natur geleistet werden muss. Und das ist in vielen Fällen ein Acker, der dann nicht mehr konventionell, sondern nur noch ökologisch oder als Grünland genutzt werden darf.

Umweltverbände: DBV betreibt Propaganda

Tatsächlich wird die Motivation des DBV erst beim genauem Lesen ersichtlich. Der Petition zufolge soll der Deutsche Bundestag die Bundesregierung beauftragen, „wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um den Flächenverbrauch (…) durch Ausgleichsmaßnahmen zu reduzieren.“ Ferner heißt es zum Schluss: „Auch der Naturschutzausgleich soll so gestaltet werden, dass hierdurch nicht noch zusätzliche Flächen für die Erzeugung von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen verloren gehen.“

Damit ist offensichtlich, dass die Initiative nicht dem Erhalt natürlicher Lebensräume dienen soll. BUND-Vorsitzender Hubert Weiger hält es für „zynisch und verlogen“, dass der DBV Ausgleichsflächen für den Naturschutz als Flächenverbrauch bezeichnet. „Statt mit billiger Propaganda und falschen Zahlen die Kluft zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zu verstärken, muss der Bauernverband endlich mit den Umweltschutzverbänden zusammenarbeiten, um den für alle schädlichen Flächenverbrauch zu stoppen“, fordert NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

1 Kommentar

  1. Warum fällt es dem DBV so schwer, das Richtige zu tun?

    Denn sie wissen nicht was sie wissen – warum gibt es keinen Weg vom Wissen zum Handeln? „. Empfehlungen für den DBV. Vortrag von Prof. Dr. Harald Welzer, Kulturwissenschaftliches Institut, Essen.

    Liebe DBV-Verantwortliche, nehmen Sie Kontakt auf!

    Grüße Clothianidin

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