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Feuer und Flamme für Tierfabriken?

Henne

Foto: Chicken von StevenW. (CC BY-SA 2.0)

Nachdem drei Hühnerställe kurz vor der Inbetriebnahme abgebrannt sind, wird wieder vermehrt über die Legitimität direkter Aktionen diskutiert. Die aufgeregten Kommentare in den Online-Medien zeigen, wie umstritten Tierrechte immer noch sind.

Erneut ist eine Hähnchenmastanlage in Niedersachsen abgebrannt. Ob die Täter militante Tierrechtler sind, ist überhaupt nicht sicher. Fest steht nur, dass das Thema Menschen polarisiert: Ist die Zerstörung einer Mastanlage legitim, solange weder Menschen noch Tiere verletzt werden?

Was zunächst auffällt ist die Wortwahl der Meldungen: Laut BILD sollten in den betroffenen Ställen erst kommende Woche Tiere „untergebracht werden“. Auch der NDR weist darauf hin, dass die Anlagen noch nicht „bestückt“ waren. Denn eigentlich sollten die Ställe „für die Ankunft neuer Küken vorbereitet werden“, so agrarheute.com. Vom geplanten Einsperren und Mästen ist nicht die Rede – Tiere werden schließlich auch geschlachtet, nicht ermordet.

Tierschützer und Tierrechtler

Eine beliebtes Argument gegen direkte Aktionen ist die mögliche Wirkung auf die öffentliche Meinung. Auf ndr.de kritisiert eine „bekennende Tierschützerin“ Brandstiftung als Bärendienst für die „Tierschutzinitiative“. So würden Aktivisten nur als Bombenleger und Steineschmeißer wahrgenommen.

Doch schon der Begriff „Tierschutz“ ist entlarvend: Tierschutz beschränkt sich auf die Verbesserung der Haltungsbedingungen, stellt die Ausbeutung und Tötung von Tieren aber nicht grundsätzlich in Frage. Tierrechtler hingegen versuchen den Speziesismus als Form der Unterdrückung bestimmter Lebewesen zu überwinden. Folglich kann nur ein Tierschützer einen Hund „besitzen“.

Zudem ignoriert das Argument das verhinderte Leid in diesen Ställen. Tierschutzinitiativen gibt es seit Jahrzehnten – das legale Unrecht aber bleibt weiter ungestraft. Vielmehr scheint gerade die Systemkonformität vieler Tierschützer dafür mitverantwortlich zu sein, dass elementare (Tier)Rechte wie Unversehrtheit und Leben gar nicht erst Gegenstand gesellschaftlicher Auseinandersetzung werden.

Widerstand nimmt zu

Als „Fratze des grün-alternativen Terrors“, bezeichnet User Normalmensch den Vorfall, „dessen Protagonisten der Bevölkerungsmehrheit ihre Lebensweise als ethisch höherstehend aufzwingen möchten“. In anderen Kommentaren ist ebenfalls zu lesen, dass Gewalt oder Brandstiftung keine Lösung sei.

Darauf antwortet ein anderer Leser: „Schön auch eure kapitalistisch kranke Selbstoffenbarung: Nein, Gewalt gegen Gegenstände ist nicht schlimmer, als Gewalt gegen Personen oder Lebewesen. Menschen, die sich für das Leben einsetzen, Terror vorzuwerfen, ist einfach nur ein armer Versuch, die eigene verächtliche Lebensweise zu verteidigen.“

In Niedersachsen brennen immer wieder Mastanlagen ab: 2010 in Sprötze, 2011 in Vechelde, Mehrum und Schnega. Die Angriffe auf Tierfabriken lassen den Verdacht zu, dass kanalisierte Widerstandsformen (Demonstrieren, Wählen, Spenden) an Attraktivität verlieren. Vielleicht ist das Unrecht auch einfach zu offensichtlich, um weiterhin als notwendiges Übel unserer Lebensweise marginalisiert zu werden.

10 Kommentare

  1. Wann verstehen Menschen das endlich: Gewalt ist keine Lösung! Weder gegen Menschen, Tiere noch Gegenstände. Kein Zweck heiligt die Mittel. Das haben Gandhi und (wenige) andere doch erfolgreich vorgemacht. Also verstehe ich den Sinn dieses Artikels nicht…

  2. „damit wäre alles gesagt.“

    Und was heißt das jetzt genau? Was ist die Reaktion auf Tierfabriken?
    Diese Produkte nicht mehr kaufen und warten, dass immer mehr Menschen auch so handeln?
    Darüber informieren und hoffen, dass sich etwas ändert?

    Der Artikel zeigt eine Problematik auf, die diskutiert werden sollte.
    Wie kann mensch das Leid beenden? Tragen Tierschützer nicht genau zum Gegenteil bei?

    Zu dem Mythos um Gandhi und gewaltfreien Widerstand empfehle ich eine interessante Doku.
    END:CIV – Resist or Die (http://submedia.tv/splash)

  3. ob das einem gefällt oder nicht: wir, also die gesellschaft, haben uns auf bestimmte regeln und gesetze geeinigt. und an die müssen sich auch jene halten, die die welt verbessern wollen. und weil wir in einer demokratie leben, werden die gesetze angepasst, wenn es die mehrheit so will. und wenn die mehrheit mastbetriebe will, dann gibt es eben mastbetriebe.

    • Glaubst du an die Demokratie in Deutschland? Im Allgemeinen in der heutigen Welt bzw. im globalen Kapitalismus des 21. Jahrhunderts?
      Wo siehst du denn Mitbestimmung und Mitgestaltung?
      Ich sehe vor allem Banken, Unternehmen und Regierungen, die für die Interessen einer Minderheit arbeiten, wärend ignorante und unmündige BürgerInnen sich mit der Konsumfreiheit zu frieden geben.

      Ob die meisten Menschen für den Betrieb von Mastanlagen sind, weiß ich nicht.
      Die meisten Menschen denken auf jeden Fall nicht viel über Massentierhaltung geschweige über lebende Tiere nach, wenn sie tote Tiere essen. Es wird ihnen auch sehr einfach gemacht so zu essen/konsumieren, da die Produkte und vor allem deren Werbung und Bildersprache oftmals nur druch selbständige Denkanstrengungen eine Verbindung zu Lebewesen herstellen lassen.

      Falls du dich über das Thema informieren willst, kannst du mal auf dieser Seite vorbeischauen. http://www.provegan.info/de/der-autor/

  4. Ausshnitt aus dem Bekennerschreiben zu der Aktion:

    „Wir setzen nicht auf verbalen Austausch. Dieser ist wichtig, aber nicht genug. Die gegenwärtigen Verhältnisse sind viel destruktiver als es Brandstiftung an Sachen je sein könnte. Die Verhältnisse sind extrem miserabel für die meisten Lebewesen und müssen radikal bekämpft werden. Egal wie gut sich der Sozialstaat darstellen mag, wie viele Quadratzentimeter einem Huhn oder Schwein zur Verfügung stehen. Es ändert nichts daran, dass in den Lebewesen an sich nichts als ihr Nutzen zur Schaffung von Mehrwert gesehen wird.“
    Quelle: http://www.directaction.info/news_dec16_12.htm

  5. Es ist völlig legitim, gegen Gewalttäter mit Gewalt vorzugehen. Denn das, was die Krönung der Schöpfung allen anderen Lebewesen antut, ist nichts als Gewalt. Wir zwingen jeder Spezies unseren Willen auf. Entweder werden sie als Haustiere degradiert, als Nutztiere missbraucht oder als Kollateralschaden unsererer Lebensweise ausgerottet. Ich schäme mich Mensch zu sein, denn es ist die mit Abstand destruktivste Lebensform auf diesem Planeten. Dass wir Ratten und Läuse als Parasiten verachten, ist die Krönung der Dummheit.

  6. @Castell: Meinst du andere Lebewesen mit unserem Intellekt würden sich anders verhalten? Deine Argumente sind vom Wohlstands geprägt, von Leuten die sich für etwas besseres halten weil sie kein Fleisch essen. Dass der Besitzer der abgebrannten Hühnerställe nun finzanzielle Probleme haben dürfte, ist egal?? 🙁

  7. @falsch:
    wenn wir menschen wirklich intellekt hätten,würden wir nicht unseren Planeten zerstören und alle Lebewesen die schwächer sind und sich nicht gegen uns wehren können,quälen und ausnutzen.Wenn wir echt die krone der schöpfung wären,würden wir alles und jeden auf diesem planeten schützen.
    Zu dem ach so „armen“Hühnerstallbesitzer,kann ich nur sagen,daß wenn er auch nur einen cent mit dem leid von tieren verdient hat,sollte er zur strafe alles verlieren,das er je besessen hat bis zur völligen verarmung und ich persönlich hätte absolut kein problem damit,wenn er gleich mitverbrannt wäre,dann wäre er genauso knusprig wie eins der Grillhähnchen,die er bis zu ihrem qualvollen tod gequält hat!!!!

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