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Elektroauto kommt, Individualverkehr bleibt

Elektroauto Tesla

Foto: Foto797 von pppspics (CC BY 2.0)

Eine Studie zum Klimanutzen von Elektroautos sorgt derzeit für Schlagzeilen. Demnach sind E-Autos nur dann klimaschonend, wenn sie mit Ökostrom geladen werden. Dabei besteht das eigentliche Problem doch darin, dass Politik und Wirtschaft weiter am Individualverkehr festhalten.

Klimabilanz abhängig vom Energiemix

Laut OPTUM („Optimierung der Umweltentlastungspotenziale von Elektrofahrzeugen“), einer Studie des Öko-Instituts für das Bundesumweltministerium, belasten Elektroautos das Klima stärker als gemeinhin angenommen. Ohne einen entsprechenden Ausbau der Kapazitäten für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen würden die Treibhausgasemissionen lediglich vom Verkehrs- in den Energiebereich verlagert. Obendrein sei das Einsparpotenzial bei Benzinmotoren mit 25 Prozent rund viermal so groß wie bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen.

Für das Klimaschutzpotenzial von E-Autos sei von entscheidender Bedeutung, zu welcher Tageszeit die Fahrzeuge aufgeladen werden. Um die zunehmenden Nachfragespitzen im Stromnetz nicht zu verstärken, müsse ein Lademanagement die Batterieladezeit auf kostengünstigere Zeiträume mit geringerer Nachfrage oder mit hoher Windeinspeisung verschieben. Für die Klimabilanz sei letztlich entscheidend, dass der Ökostrom-Anteil im Energiemix stimmt, erklärt Charlotte Loreck vom Öko-Institut. „Der entscheidende Faktor für die Klimafreundlichkeit der Elektrofahrzeuge ist (…) der Bau zusätzlicher erneuerbarer Energien.“

Individualverkehr hat keine Zukunft

Abgesehen von dieser nicht unbedingt neuen Erkenntnis, ist der Elektroantrieb ohnehin keine wirkliche Alternative zum Verbrennungsmotor. Angesichts hoher Anschaffungskosten und geringer Reichweiten können E-Autos lediglich in Ballungsgebieten und im Rahmen flexibler Carsharing-Konzepte sinnvoll eingesetzt werden. Dass nach dem Willen von Automobilherstellern, Energiewirtschaft und Bundesregierung bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen rollen sollen, hat vor allem ökonomische Gründe. Die grundsätzlichen Probleme des Individualverkehrs (wie z. B. Verkehrssicherheit, Platzbedarf und Ressourcenverbrauch) bleiben davon unberührt.

Kritisiert wird die Allianz aus Politik und Wirtschaft u. a. vom Verkehrsclub Deutschland (VCD): „Die Autoindustrie wittert das Geschäft mit zusätzlichen Zweit- und Drittfahrzeugen. Die Politik ist dabei, die Elektromobilität mit Milliardenbeträgen zu unterstützen. Sie ist unglaubwürdig und stellt einen ungedeckten Scheck für die Zukunft aus, wenn sie nicht sofort anfängt die Rahmenbedingungen zu setzen, die auf einen klimaverträglichen Verkehr abzielen.“ Der VCD fordert daher eine verstärkte Förderung des klimaschonenden Fuß- und Radverkehrs, den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und ein Ende der Subventionen für Elektroautos.

6 Kommentare

  1. mal abgesehen von der klima-geschichte: solange der strom zum teil aus atomkraftwerken kommt halte ich elektroautos nicht für sinnvoll. lieber erdöl verbrauchen, als atommüll produzieren…

    • Stimmt, so gesehen schwierig sich zwischen Öl und Atomkraft entscheiden zu müssen. Wie die Wahl zwischen Pest und Cholera..

  2. Was mir kurios erscheint, das meines Erachtens generell mit zweierlei Maß gemessen wird. Mal die Stromerzeugung außen vor gelassen emittiert ein E-Auto nun mal null Emissionen, rechnet man jedoch (was durchaus logisch sein mag) die Stromerzeugung mit ein, müsste man auch bei Verbrennern die Emissionen bei Förderung, Herstellung und Tansport von Benzin und Diesel in die spätere CO2-Bilanz mit einberechnen – macht aber keiner! Warum dann beim Elektroauto?

    • Gute Frage! Vllt. schaut man beim Elektroauto deshalb genauer hin, weil die Hersteller hier so offensiv mit dem Klimanutzen werben.

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