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„Das müssen Sie die verantwortlichen Politiker fragen!“

Hund im Tierheim Berlin

Foto: © Tierschutzverein für Berlin

Das Tierheim Berlin gehört zu den größten Europas und muss sich dabei ausschließlich über Spenden finanzieren. Ein Gespräch mit Stephanie Eschen, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Vor kurzem war im Berliner Tierheim Tag der offenen Tür. Wie wars?
Mit rund 15.000 Gästen hatten wir einen Besucherrekord und freuen uns darüber sehr!
Außerdem konnten wir sowohl unsere Solaranlage einweihen als auch unseren Tierschutzlehrpfad, der Kindern die Themen Massentierhaltung, bewusste Ernährung und sogenannte Nutztiere angemessen vermittelt.

Reisezeit ist für Tierheime erfahrungsgemäß Hochsaison. Wie viele Neuankömmlinge erwarten Sie in diesem Sommer?
Wir haben derzeit bereits knapp 2.000 Tiere täglich zu versorgen. Fast die Hälfte davon sind Katzen. Neben den „Ferienopfern“ auf vier Pfoten sind darunter besonders viele „Maikätzchen“, denn im Mai werfen die Katzen und somit vervielfältigt sich die Anzahl der Katzen bei uns sehr schnell.

Wer verreisen will, kann sich notfalls an Tierpensionen oder Tiersitter wenden. Warum geben Menschen ihre Tiere dennoch im Tierheim ab oder setzen sie aus?
Weil die Menschen bei ihrer Urlaubsplanung nicht rechtzeitig ans Tier denken, denke ich. Die meisten Pensionen sind dann schon voll oder die Leute möchten die Kosten nicht zahlen. Wir haben auf www.tierschutz-berlin.de eine mehr als 500 Adressen starke Tiersitter-Datenbank, in der jeder in Berlin in seiner Nachbarschaft einen passenden Tierfreund findet, mit dem man eine Versorgung absprechen kann. Selbstverständlich ist dieser Service kostenfrei.

Das Berliner Tierheim ist chronisch überfüllt. Sie betreuen Katzen, Hunde, Kleintiere, Vögel, Exoten und „Nutztiere“. Was geschieht mit den Tieren, für die kein Platz ist?
Bisher haben wir bis auf wenige Exoten und Wildtiere kein Tier abgewiesen. Wir sind Tierschützer und versuchen immer, das Beste für jedes Tier zu erreichen – zur Not in einer unserer Pflegestellen, die von ehrenamtlich bei uns registrierten Tierfreunden betrieben werden.

Wie lange dauert es in der Regel, bis Hunde und Katzen vermittelt werden?
Das kommt immer aufs Tier an. Je jünger und unkomplizierte ein Wesen ist, desto schneller findet sich auch ein Zuhause.

Einer Ihrer Vierbeiner war ja zuletzt in den Schlagzeilen. Kater Felix hat – wie auch immer – knapp 200 Kilometer von Braunschweig nach Berlin zurückgelegt. Hat das umtriebige Tier inzwischen ein neues Zuhause gefunden?
Wir sind gerade dabei und Felix ist sozusagen gerade am Umziehen. Wir waren sehr sorgsam und haben uns dabei lieber etwas länger Zeit gelassen, als eine Vermittlung zu überstürzen. Und Felix ging es bei uns ja hervorragend, so einen entspannten Eindruck macht nicht jede Katze.

Das Berliner Tierheim ist das einzige der Stadt und wird komplett über Spenden finanziert. Warum bekommen Sie keine öffentlichen Gelder?
Das müssen Sie die verantwortlichen Politiker fragen! Wir fordern seit langem eine finanzielle Unterstützung – gerade auch was die vielen sogenannten Listenhunde anbelangt die inzwischen fast 50% ausmachen und bei uns mitunter Jahre verbringen, weil sie aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit per se und zu Unrecht (!) als gefährlich gelten. Sie sind Opfer des geltenden Hundegesetzes!

Wie kann man Ihre Arbeit sonst noch unterstützen?
Mitglied werden und/oder Spenden! Schon mit 3 Euro im Monat kann man unsere Arbeit als Mitglied wirksam unterstützen und wird 4x im Jahr über alles Neue rund ums Tierheim und den Berliner Tierschutz durch unser Mitgliedermagazin „Berliner Tierfreund“ informiert. Gerne können Sie sich auch ehrenamtlich engagieren, wie suchen ständige Pflegestellen, Gassi-Geher oder Streichelpaten für Katzen.

Frau Eschen, vielen Dank für das Gespräch!

3 Kommentare

    • Hallo Zolon, danke fürs Feedback! Sicherlich gibt es Länder wo es Tieren noch schlechter geht. Das kann aber m.E. kein Argument dafür sein, sich um die Probleme hierzulande nicht oder weniger zu kümmern. Ein überfülltes und unterfinanziertes Tierheim würde ich abgesehen davon nicht als Luxusproblem bezeichnen…

  1. Also jetzt bin ich echt platt. Ich dachte das staatliche Tierheime zumindest ein wenig aus der Staatskasse bekommen, um ihren „Betrieb“ aufrecht halten zu können. Wie bitte schaffen die das jeden Monat genug Spenden zu bekommen um überleben zu können?

    Ganz großen Respekt an die Tierheimleitung!

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