permalink

0

Die Mär von der klimaschonenden Atomkraft

Atomkraftwerk Grafenrheinfeld

Foto: Grafenrheinfeld von MarcelG (CC BY-SA 2.0)

Die deutschen Kernkraftwerke sollen durchschnittlich zwölf Jahre länger am Netz bleiben. Dabei mangelt es nicht an guten Argumenten gegen die Laufzeitverlängerung. Doch was in der öffentlichen Debatte bislang weitgehend unbeachtet bleibt, ist die Bedeutung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) für unsere Energieversorgung.

Kernenergie: Verschwendung von Abwärme

Die Energiepolitik von CDU/CSU und FDP dürfte E.ON, Vattenfall, RWE und EnBW gefallen. Demnach dürfen die nach dem Jahr 1980 gebauten Kernkraftwerke 14 Jahre länger am Netz bleiben als im bisherigen Atomausstiegsgesetz vorgesehen. Auf diese Weise werden ausgerechnet jene Strukturen verstärkt, die in der Vergangenheit eine zukunftsfähige und nachhaltige Energieversorgung verhindert haben: Große Kohle- und Atomkraftwerke produzieren große Mengen Strom, während die Abwärme weiterhin ungenutzt über Kühltürme in den Flüssen und der Atmosphäre landet. Mit jeder produzierten Kilowattstunde Strom verpuffen zwei Kilowattstunden (kWh) Wärme. Dennoch wird die Kraft-Wärme-Kopplung – als eine der effizientesten Technologien überhaupt – im „Energiekonzept“ der Bundesregierung gerade noch mit einem Halbsatz erwähnt.

Kraft-Wärme-Kopplung hat keine Lobby

Ein Grund dafür ist eine bislang kaum beachtete, aber entscheidende Schwäche der Kernkraftwerke. Diese stehen nämlich abseits der Ballungszentren, so dass sich der Transport der Abwärme zu den Verbrauchern nicht lohnt. Die Betreiber von Großkraftwerken verkaufen daher nur den Strom und verhindern zugleich seit vielen Jahren erfolgreich den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung. Im Jahr 2000 scheitert eine entsprechende Quotenregelung des Wirtschafts- und Umweltministeriums am Widerstand der großen Stromkonzerne.

„Fairer Wettbewerb, intelligent gesteuerte Verteilnetze, umwelteffiziente Kraft-Wärme-Kopplung sowie Fernwärme werden nicht thematisiert.“

VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck zum „Energiekonzept“ der Bundesregierung

Bei der Produktion von Atomstrom werden zwar weniger als 50 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilowattstunde verursacht. Jedoch müssen fürs Heizen zusätzlich fossile Brennstoffe wie Öl und Gas verbrannt werden. Dann liegt der CO2-Ausstoß allerdings schon bei 780 Gramm pro kWh. Zum Vergleich: Eine Kilowattstunde Strom und zwei Kilowattstunden Wärme aus einem Erdgas-Blockheizkraftwerk verursachen 70 Gramm mehr CO2 pro kWh (Quelle: Natur + Kosmos, 11/2010). Der Preis für diesen eher marginalen Vorteil ist hoch: In den 17 vermeintlich sicheren deutschen Atomkraftwerken gab es seit ihrer Inbetriebnahme insgesamt 4.288 meldepflichtige Vorfälle (Bundesamt für Strahlenschutz, Stand: 31.07.10). Und dass die Endlagerfrage noch lange nicht geklärt ist, zeigen die aktuellen Proteste im Wendland.

Laufzeitverlängerung auf Kosten der Kraft-Wärme-Kopplung

Die Verlängerung der Laufzeiten wird die zentralistische Energieversorgung zugunsten der ohnehin schon marktbeherrschenden Großen in Deutschland weiter zementieren. Darunter haben vor allem die Kommunen und Stadtwerke zu leiden, die – ausgehend vom geplanten Atomausstieg im Jahr 2022 – zuletzt verstärkt in dezentrale, hocheffiziente und umweltschonende KWK-Anlagen investiert haben. Wie lange die deutschen Meiler tatsächlich noch am Netz bleiben, ist ungewiss. Die Opposition hat eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht angekündigt. Und im Herbst 2013 sind ja wieder Bundestagswahlen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.