
Foto: © Perendie
Obwohl die Grenzen des Verbrauchs offensichtlich werden, ist das Prinzip „Von der Wiege zur Bahre“ immer noch die Regel: Entnehmen, produzieren, wegwerfen. Vertreter der Cradle to Cradle-Philosophie entwickeln alternative Konzepte, mit denen sich Ressourcen unendlich oft nutzen lassen.
Verbrauch führt zu Knappheit und Müll
Der Wirtschaft gehen die Rohstoffe aus. Knapp werden unter anderem Kupfer, Nickel, Zinn, Elektronikmetalle wie Indium, Tantal, Platin und einige Seltenerdmetalle. Ohne diese Rohstoffe können weder Computer noch Handys, Autos oder Windräder produziert werden. Die zunehmende Knappheit treibt zudem die Weltmarktpreise für die noch verfügbaren Vorkommen in die Höhe.
Das eigentliche Problem dabei ist eigentlich weniger die Endlichkeit der Ressourcen, sondern unsere Produktionsweise: Nicht mehr benötigte Produkte landen in der Regel auf Mülldeponien oder werden in Müllverbrennungsanlagen verbrannt. Auf diese Weise werden wertvolle Materialien unwiederbringlich in nutzlosen und schädlichen Müll verwandelt.
Cradle to Cradle
Nach dem Prinzip Cradle to Cradle („Von der Wiege zur Wiege“) muss die Logik der Produktion hingegen natürlichen Kreisläufen entsprechen. Wie die Blüten eines Baumes den Erdboden mit Nährstoffen versorgen, sollten Produkte in Zukunft so hergestellt werden, dass ihre Bestandteile komplett wiederverwendet werden können. So wie „Verbrauch“ oder „Müll“ in der Natur nicht existieren, würden bei konsequenter Umstellung der Produktions- und Lebensweise diese Begriffe auch für uns zu Fremdwörtern.
Es sind noch nicht viele, doch immer mehr Unternehmen entscheiden sich für diese Produktionsweise. Denn in dem Maße wie die Ressourcen knapper und teurer werden, wird die Idee von Cradle to Cradle attraktiver. Für Unternehmen zahlen sich die anfallenden Mehrkosten allein schon deshalb aus, weil sie sich einen Innovationsvorsprung gegenüber der Konkurrenz sichern. Produkte gibt es inzwischen aus den unterschiedlichsten Bereichen, so zum Beispiel Toilettenpapier, welches komplett wiederverwertet werden kann, ein ohne Klebstoffe gefertigter Bürostuhl oder ein kompostierbares Poloshirt der Firma Trigema. Mit Mauern ohne Mörtel können sogar Häuser auf- und abgebaut werden, ohne Rohstoffe zu verschwenden.
Upcycling statt Recycling
Entwickelt wurde Cradle to Cradle von der Hamburger Beratungsagentur Environmental Protection Encouragement Agency (EPEA) unter Leitung von Michael Braungart und dem dem US-amerikanischen Architekten William McDonough. In dem internationalen Team der EPEA arbeiten Forscher aus unterschiedlichsten Fachrichtungen an der Weiterentwicklung des Cradle to Cradle-Prinzips. In Zukunft soll nach der Wiederverwertung das neue Produkt mindestens die gleiche Qualität aufweisen wie das vorherige. Derart wird Recycling als Innovationsmöglichkeit verstanden, nicht als Resteverwertung.
Mit dem Cradle to Cradle®-Zertifikat zeichnet die Agentur Produkte aus, die umweltschonende, gesunde und kreislauffähige (recycelbare oder kompostierbare) Materialien verwenden. Die stufenweise Zertifizierung soll Cradle to Cradle transparent und bekannter machen. Auf dem bis Mitte März laufenden Cradle to Cradle-Festival in Berlin stellt die EPEA das Konzept erstmals der breiten Öffentlichkeit vor.

Nahrung aus dem Reagenzglas: Functional Food
Sinnvolle Weihnachtsgeschenke
„Aber Fleisch schmeckt doch so gut“
"Wir müssen unsere Konsumwünsche zurückschrauben"
Jo da wa ick och!
Gabs doch alles schon mal. Jetzt hat das Tier nur einen anderen Namen