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CO2-Statistiken werden schöngerechnet

CO2-Ausstoß in China

Foto: China landscape von makido83 (CC BY 2.0)

Die Statistiken zu Kohlenstoffdioxid-Emissionen und entsprechende Reduktionsziele werden meist auf territorialer Ebene berechnet. Diese gängige Praxis ignoriert jedoch, dass wir längst in einer globalisierten, arbeitsteiligen Welt leben. Die Industrieländer rechnen sich so ihre Statistik schön – auf Kosten der Schwellenländer.

Textilien, Spielzeug, Elektronikartikel, Autos: China exportiert immer mehr Produkte – insbesondere nach Amerika und Europa. Trotz langer Transportwege ist die Arbeitsteilung für beide Seiten ein lohnenswertes Geschäft. Doch mit zunehmender Klimabelastung wird die Frage immer drängender, wem die dabei entstandenen Emissionen eigentlich angerechnet werden: Dem Produzenten (Exporteur) oder dem Käufer bzw. Konsumenten (Importeur)?

Deutschlands CO2-Ausstoß: 15 Prozent höher

Die globale Arbeitsteilung ist allgegenwärtig, wird jedoch in den gängigen CO2-Statistiken nicht berücksichtigt. Der Klimaökonom Ottmar Edenhofer vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und seine Kollegen haben die daraus resultierenden Verzerrungen erstmals berechnet und kommen zu dem Ergebnis: Zwischen 1990 und 2008 wurden auf diese Weise 16 Milliarden Tonnen CO2 aus den Industrie- in die Schwellenländer verlagert. In China fällt allein die Hälfte der CO2-Emissionen bei der Produktion für die Industriestaaten an.

In ihrer Untersuchung stellen die Wissenschaftler fest, dass die Industrienationen im Jahr 2008 über Warenimporte indirekt mehr als Doppelt so viel Klimagas verursacht haben, wie sie laut Kyoto-Protokoll hätten einsparen müssen. Berücksichtigt man die Handelseffekte, emittiert Deutschland etwa 15 Prozent mehr als offiziell angegeben. Die Autoren der Studie schlagen daher vor, die „territoriale Zählweise“ um eine „konsumbasierte“ zu erweitern.

1 Kommentar

  1. Am besten wäre es die Transportkosten über Steuern zu erhöhen. Zum Beispiel über eine längst fällig Kerosinsteuer. Dann würden wir wieder mehr regional produzieren und weniger transportieren. Es ist doch pervers, dass es im Supermarkt Äpfel aus Neuseeland gibt, obwohl die hier doch auf jedem Acker wachsen (könnten).

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