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BP ist ein willkommener Gegner

BP Logo mit Öl

Bild: BP’s Oil Slick Logo von Noah Scalin (CC BY-SA 2.0)

Die seit zehn Wochen anhaltende Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verschwindet zwar langsam aber sicher aus den Nachrichten. Doch immer noch laufen bis zu 16 Millionen Liter Öl am Tag ins Meer. Greenpeace fordert von dem Konzern daher, auf Tiefseebohrungen zu verzichten. Dabei ist nicht BP, sondern unser unstillbarer Durst nach Öl das eigentliche Problem.

BP macht es Kritikern leicht

Selten waren wir uns so einig: BP trägt die Verantwortung für den Untergang der Ölbohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko und muss daher auch für die entstandenen Schäden aufkommen. Das Unternehmen ignorierte systematisch Sicherheitsbedenken der eigenen Ingenieure und räumte bis zuletzt nur das ein, was nicht mehr zu leugnen war. So wurde BP schnell zu einem gemeinsamen Gegner sehr unterschiedlicher Gruppen wie Umweltschützern, Fischern, Politikern und Globalisierungskritikern.

Die eigentliche Ursache der aktuellen Ölkatastrophe liegt jedoch in unserer Wirtschafts- und Lebensweise. Die Nachfrage nach Öl und Gas insbesondere in den sogenannten Schwellenländern nimmt dramatisch zu. Weil die fossilen Rohstoffe gleichzeitig knapper und somit teurer werden, wird immer tiefer gebohrt. BP ist nur ein Unternehmen von mehreren, das solch riskante Tiefseebohrungen durchführt.

Verzicht auf Benzin statt BP-Boykott

Solange die hohe Abhängigkeit vom Öl anhält, sind also Aufrufe zum Boykott von BP (hierzulande Aral) wenig erfolgversprechend. Zumal sich sich alle großen Ölkonzerne beim lukrativen Geschäft mit dem schwarzen Gold schuldig machen. Shell ruinierte in Nigeria nicht nur die Umwelt, sondern kooperierte obendrein mit dem dortigen Militärregime, welches Umweltaktivisten ermorden ließ. ExxonMobil verpestete im Jahr 1989 die Küste vor Alaska mit 37.000 Tonnen Rohöl. Chevron wird vorgeworfen, mit giftigen Ölschlamm Grundwasser verseucht zu haben. Total soll für einen Pipelinebau in Myanmar Siedlungen zerstört haben und wurde wegen Mord und Zwangsarbeit verklagt.

Boykottiert werden müssten folglich alle großen Ölkonzerne. Also das Auto stehen lassen und auf Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel umsteigen? Schwer vorstellbar in einem Land, in dem die Hälfte aller Autofahrten kürzer als sechs Kilometer ist. BP ist somit ein willkommener Gegner, mit dessen Hilfe sich individuelle Ängste, Wut und das Gefühl von Ohnmacht kanalisieren lassen. Die Ursachen der Katastrophe bleiben davon unberührt. Mühsamer und schwieriger als das Einstimmen in den Chor der BP-Kritiker ist es, die eigenen Lebensgewohnheiten zu hinterfragen und ändern. Nur so lässt sich der gefährliche Durst nach immer mehr Öl reduzieren und verhindern, dass sich solche Katastrophen wiederholen.

1 Kommentar

  1. Das ist schon alles richtig was ihr da schreibt. Aber was soll man machen wenn man auf dem Land lebt? Hier in unserem Landkreis fahren nunmal weniger Busse als in Metropolenregionen. Ich denke fast dass die Alternativen zum Individualverkehr bewusst klein gehalten werden, damit die Automobilindustrie (mit all ihren Arbeitsplätzen) auch schön weiter funktioniert…

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