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Bäume pflanzen mit I Plant A Tree

Logo I Plant A Tree

Bild: Logo von I Plant A Tree

Eine einfache und doch wirksame Methode, das Klima nachhaltig zu schützen besteht darin, Bäume zu pflanzen. Und genau das tut I Plant A Tree (IPAT). Bei der Organisation können User online Bäume spenden und dabei auch gleich angeben, wo die Bäume gepflanzt werden sollen. Ein Gespräch mit IPAT-Geschäftsführer Michael Bahr über das Aufbäumen und den Klimaschutz.

Wie kamst du eigentlich auf die Idee, eine gGmbH zu gründen, die Bäume pflanzt?
Ganz am Anfang stand der Aufruf der UNO, 1 Milliarde Bäume zu pflanzen. Wir haben uns gefragt, wie man das ganze misst. Überall auf der Welt sind ja sicher viele Menschen diesem Aufruf gefolgt, und wir haben uns vorgenommen eine Plattform zu erstellen, welche die einzelnen Pflanzungen darstellen kann und den CO2 Bindung über alle messen kann.

Dazu haben wir uns zusammengesetzt, ein Programmierer, ein Grafiker und ich, der sich vorwiegend um die Finanzen und um das Netzwerk kümmert. Dieses Treffen fand 2006 statt. Bis Mitte 2008 hat sich der Programmierer unentgeltlich die Wochenenden um die Ohren geschlagen und vorwiegend um die Programmierung der Plattform gekümmert. Ende 2008 sind wir live gegangen. Uns war von Anfang an klar, dass es sich um eine gemeinnützige Organisation handeln müsste. So haben wir im November 2008 die gemeinnützige GmbH gegründet. Bis dahin hatten wir das Ziel, dass alle Menschen die auf der Welt einen Baum gepflanzt haben, diesen bei uns auf der Plattform einstellen können, und wir gemeinsam über alle Pflanzungen die CO2-Bindung und die Menge aller Bäume messen können. Nach und nach haben uns viele Leute gefragt, einerseits weil sie keinen Garten hatten, andererseits weil sie keine Zeit hatten oder zu faul sind (grinst), ob wir ihnen nicht Flächen zur Verfügung stellen können damit sie dort Bäume auf diesen Flächen pflanzen können. So haben wir ab Mitte 2009 angefangen, die ersten Flächen gesucht, gefunden, verhandelt, kalkuliert, und dann online gestellt, so dass Leute auf diesen Flächen Bäume spenden konnten.

Kann Bäume pflanzen den Klimawandel aufhalten?
Jein. Einerseits ist es natürlich völlig naiv zu glauben dass durch das Bäume pflanzen der Klimawandel aufgehalten werden kann, andererseits entbehrt es nicht einer gewissen Logik. Um die Gesamtmenge des anthropogenen CO2-Ausstoßes in die Atmosphäre zu kompensieren wären jährlich neu angepflanzte Wälder von der Größe Österreichs notwendig. Ein Großteil des menschengemachten CO2-Ausstoßes wird allerdings zum großen Teil von den Meeren gebunden. Deswegen sind die so sauer – wäre ich auch übrigens. Ein weiterer Teil des CO2 wird in den bestehenden Wäldern eingelagert. Was wir also versuchen, ist die Abholzung der Regenwälder zu einem gewissen Teil über die Pflanzung von neuen Bäumen aufzufangen. Natürlich ist die Relation zwischen Abholzung und Neupflanzung derzeit noch im völligen Ungleichgewicht.

Uns geht es aber um mehr: Wälder binden nicht nur CO2, sie regeln auch den Wasserhaushalt und die Verdunstung und sie kühlen dadurch die Oberflächentemperatur der Erde. Wo neue Wälder entstehen, kommt nach und nach auch wieder mehr Regen auf die Erde – Brunnen führen wieder mehr Wasser. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Aufforstungsprojekte in China beispielsweise zeigen, dass die Verwüstung großflächig aufgehalten werden kann, wenn mit entsprechenden Mitteln Bäume gepflanzt werden.

Online aufzuforsten klingt zunächst ungewöhnlich. Ganz konkret: Wie wird aus meiner Spende ein Baum?
Das ist ganz einfach. Wir suchen zunächst nach einer Fläche die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelwirtschaft steht. D.h. ganz konkret es sind Flächen die entweder sehr schlechte Böden haben, oder zu klein für maschinelle Landwirtschaft sind oder aber wo Wald die grundsätzlich angezeigte Flächennutzung ist. Wenn wir für diese Fläche eine Aufforstungsgenehmigung bekommen können, versuchen wir diese Fläche zu kaufen. Ist uns dies gelungen, sprechen wir mit dem lokal zuständigen Förster die ökologisch sinnvollste Bepflanzung ab. Anschließend dokumentieren wir dieses Projekt auf unserer Plattform. Wir kalkulieren die Pflanzungen und übernehmen die jeweiligen Baumsorten in der entsprechenden Anzahl in unseren Onlineshop. Sobald das Projekt auf der Plattform freigeschaltet haben, können die User auf unserer Plattform sich die jeweiligen Bäume aussuchen und anschließend Spenden. Sobald wir eine gewisse Menge an Geld zusammen gesammelt haben, setzen wir die Pflanzungen um. Wir bitten zu den Zeiten der Pflanzperioden im April und im November einen lokal ansässigen Forstdienstleister die entsprechenden Bäume in die Erde zu bringen. Wir dokumentieren fortlaufend den Fortschritt auf den Flächen und setzen dies auch während der Wachstumsperiode fort. Wir wollen so unseren Spendern dauerhaft zeigen wie der Wald wächst.

Fragt man sich natürlich immer, ob das Geld bzw. wie viel davon tatsächlich ankommt…
Das ist eine durchaus berechtigte und auch wichtige Frage für uns. Es gibt eine ganze Menge Organisationen, die bisher nicht durch besondere Transparenz glänzen. Oft versickern auch eine ganze Menge Spenden in den administrativen Fächern. Nun wir können gut reden, denn momentan sind wir noch recht klein – daher gibt es bei uns noch keine großen Aufwendungen für Büros, Löhne, Autos et cetera, was logischerweise in größeren Organisationen gebraucht wird. Wenn wir aber die letzten beiden Jahre also 2009 und 2010 in der Retrospektive betrachten kommen über 95 % der Spendengelder bei den Bäumen an. Bis auf einen Programmierer, der uns im Jahr 2010 ein halbes Jahr unterstützt hatte um den Relaunch abzuschließen und die Kosten für den Server sind nahezu alle Gelder für die Aufforstung verwendet worden. Wir gehen ja nach wie vor alle unsere normalen Jobs nach. Wir wollen hier vorbildhaft vorangehen in dem wir unsere Finanzen und Jahresabschlüsse auf der Webseite veröffentlichen. Das wird auch so bleiben. Wir werden in den nächsten Jahren uns für das Spendensiegel bewerben. Das bekommt man nur, wenn man es schafft, weniger als 10% für adminsitrative Zwecke zu verwenden. Da sind wir auf einem guten Weg. Der Jahresabschluss 2010 ist in Arbeit und wird Anfang Juni zum Download auf der Plattform stehen.

Wer sich bei Euch anmeldet, bekommt ein Profil auf dem zu sehen ist, wo wie viele Bäume gepflanzt wurden. Außerdem wird stets die aktuelle CO2-Ersparnis angezeigt. Wie berechnet Ihr diese Einsparung pro Baum?
Oh, das ist nicht ganz einfach. Wenn man von einem einzelnen stehenden Baum, der über 300 Jahre alt geworden ist die CO2-Bindung berechnet, würde das Ergebnis völlig anders aussehen als wenn dieser Baum im Verbund mit anderen Bäumen mitten im Wald steht. Am Beispiel der Buchen lässt es sich ganz grob erklären. Wir gehen also von folgenden Grundlagen aus: Man pflanzt auf dem Hektar ca. 6000 Bäume. Nach ca. 120 Jahren stehen auf diesem Hektar nur noch 110 Bäume. Die anderen 5890 Bäume sind im Laufe dieser Zeit entweder gestorben oder durch Zwischenforstungen dem Wald entnommen worden. Wenn man nun die Holzmasse der verbliebenen 110 Bäume aufwiegt und den Wassergehalt herausrechnet bekommt man die Menge des gebundenen Kohlenstoffs. Daraus lässt sich die Menge des CO2 berechnen die über die Jahre des Wachstums im Holz gebunden worden sind. Wir teilen diese Menge durch die am Anfang gepflanzten Bäume (6000) und durch die Zeit die es gebraucht hat um diese Menge CO2 zu binden. Nach dieser Berechnung bindet eine Buche in unserem Modell ca. zehn Kilo CO2 pro Baum und Jahr. Eine einzeln alleinstehende Buche wird wahrscheinlich mehrere Tonnen CO2 gebunden haben. Aber das ist nur eine grobe Schätzung und kommt natürlich auf die Holzmasse des Baumes an. Da wir Wald pflanzen, wo zwangsläufig Bäume sterben, gehen wir von diesem sehr konservativen Wert aus.

I Plant A Tree hat einige interessante Features zu bieten. Zum Beispiel kann jeder Spender ein individuelles IPAT-Widget in seine Webseite einbauen. Oder es gibt verschiedene Rankings, bei denen die großzügigsten Spender mit einer hohen Platzierung belohnt werden. Wie wichtig ist der Vergleich und Wettbewerb mit anderen für die Spendenbereitschaft?
Ich glaube eher es ist das Erscheinungsbild insgesamt. Wir haben versucht nicht so bierernst mit dieser Thematik umzugehen sondern spielerisch. Uns war wichtig, dass der Besucher der Webseite auch gut über die Spendenbereitschaft der anderen User informiert ist. Firmen sollten sich möglichst gut repräsentiert sehen andererseits sollten privat Nutzer nicht gleich abgeschreckt werden – weil andere 1000 Bäume gepflanzt haben. Daher haben wir die Bestenlisten nach Privatnutzern, Firmen, Schulen, und Non-Profit Organisationen unterteilt.
Wir kommen eher aus der online Ecke und haben daher versucht die User experience so angenehm wie möglich und vor allem einfach zu gestalten. Wir sind damit aber noch nicht am Ende. Wenn wir die finanziellen und die programmiertechnischen Möglichkeiten hätten, wären noch viele andere Ideen umgesetzt worden, die momentan noch in der Schublade liegen.

I Plant A Tree hat schon mehr als 65.000 Bäume gepflanzt. Habt ihr denn ausreichend Fläche, damit noch mehr gepflanzt werden kann?
Das sehen wir momentan als Knackpunkt. Aufgrund der Konkurrenzsituation mit Biotreibstoffen, der normalen Landwirtschaft sowie auch Schnellumtriebsplantagen, Rapsmonokulturen und ähnlichem Schwachsinn steigen die Preise für Flächen enorm an. Wir wollen kleinteilige Flecken von Wald dazwischen setzen. Lichtungen mit Feldblumen, auf denen Bienen auch was anderes essen können als immer nur Raps. Wenn dieses Interview jemand liest, dem Flächen zur Verfügung stehen und der Willens ist uns diese zu vernünftigen Preisen zu verkaufen dann bitte ich dass man sich vertrauensvoll an uns wendet. Das Eigentum an den Flächen ist uns wichtig damit der Wald langfristig gemeinnützig gebunden werden kann.

Und wann knackt ihr die 100.000-Bäume-Marke?
Im Herbst 2011. Da bin ich optimistisch.

Vielen Dank für das Gespräch Michael!

2 Kommentare

  1. es gibt ja eine ganze reihe solcher organisationen. da fällt es immer schwerer den überblick zu haben. und vor allem: wird da tatsächlich ein baum gepflanzt? oder fließt das geld nicht doch ins marketing oder den webauftritt?

    lg
    andromeda

  2. der einnahmen-ausgaben-bericht wird jedes jahr veröffentlicht, so das jeder die möglichkeit hat nachzuvollziehen wohin das eigene geld gegangen ist! schau dir die seite doch einfach mal an, da werden deine fragen sicher beantwortet!

    lg
    m. fend

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