permalink

2

Aufforsten gegen Klimawandel sinnlos?

Aufforstung

Foto: Schönower Heide

Aufforsten hilft nur wenig gegen die Klimaerwärmung. Diese Meldung fand zuletzt große Resonanz in den Medien. Und sie wurde genau zum richtigen Zeitpunkt platziert. Schließlich berät der Weltklimarat (IPCC) derzeit über technische Möglichkeiten gegen den Klimawandel.

Die provokante Nachricht war für die Medien ein gefundenes Fressen. WELT Online titelte gar: „Gegen die Erderwärmung bringt Aufforsten nichts“. Diese Art von Schlagzeile entspricht zwar ganz der Axel Springer-Tradition, nicht aber den Ergebnissen der beiden kanadischen Forscher. Alvaro Montenegro und Vivek Arora haben in Modellversuchen nämlich herausgefunden, dass Aufforsten nur wenig dazu beitragen kann, dass Weltklima abzukühlen. Ein Effekt sei allerdings durchaus messbar. Die eigentliche, wenig erstaunliche Erkenntnis ist vielmehr, dass Aufforsten allein nicht reicht. Selbst mit Hilfe Millionen neuer Bäume wird die Erderwärmung ohne eine drastische Reduktion der Treibhausgase nicht beherrschbar. Dass die globalen Emissionen seit 1990 um 39 Prozent gestiegen sind und jede Minute eine Waldfläche in der Größenordnung von 36 Fußballfeldern zerstört wird zeigt, wie weit wir von beiden Lösungswegen entfernt sind.

Technische Lösungen: Teuer, riskant und rentabel

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung könnte nicht besser gewählt sein. Im peruanischen Lima beraten seit Montag Experten des Weltklimarates (IPCC) über technische Lösungen des Klimaproblems. Eine Idee der Wissenschaft besteht beispielsweise darin, die Meere mit Eisenspäne zu düngen. Abgesehen davon, dass die Methode bei bisherigen Tests kaum Erfolge gezeigt hat, sind die langfristigen Folgen eines solchen Eingriffs völlig ungewiss. Was umso mehr für einen weiteren Vorschlag der Forscher gilt, mit Hilfe eines riesigen Sonnenschirms im Weltraum die Klimaerwärmung zu begrenzen.

Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sieht darin ein gefährliches Vabanque-Spiel mit dem Klima, weil der CO2-Anteil in der Atmosphäre nicht abnehmen, sondern eher noch weiter steigen würde: „Das heißt, wir schaffen dann ein Klimasystem, das wir ständig für Jahrtausende aktiv regeln müssen und wo nicht mehr die normalen Selbstregelungsmechanismen funktionieren. Im Übrigen hätte man auch das Problem der Versauerung der Weltmeere ja nicht gelöst, wenn man das Klima nur kühlt, weil diese Versauerung ja direkt durch das CO2 verursacht wird.“

Dass über solch abenteuerliche, extrem teuren Projekte überhaupt ernsthaft diskutiert wird zeigt erstens, wie groß der Einfluss derer ist, welche vom fortschreitenden Abholzen der Wälder profitieren: Holz- und Papierindustrie, Betreiber von Palmöl- und Soja-Plantagen, Farmer, Nahrungsmittelkonzerne. Zweitens sind für Regierungen und Industrie derartige Überlegungen vor allem interessant, weil sie von unbequemen Klimaschutz-Verpflichtungen ablenken. Und letztendlich ist bei technischen Großprojekten nun mal wesentlich mehr Geld im Spiel als beim Schutz von Wäldern oder Pflanzen neuer Bäume.

2 Kommentare

  1. Geo-Engineering könnte nunmal der „bequeme“ Plan B. Findet auch das UBA nicht so gut: http://bit.ly/ipCrYp

    Wäre auch die Ironie der Geschichte, wenn ausgerechnet die Industrie, die die Probleme verursacht, an deren Lösung gleich wieder verdient. 🙁

  2. „Wäre auch die Ironie der Geschichte“

    Keine Ironie, sondern zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen oder auch : Doppelt verdient ist besser.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.