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Artenschutz und Diplomatie in Doha

Hai

Foto: Shark von StormyDog (CC BY 2.0)

Im arabischen Wüstenstaat Katar wird seit Samstag – von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – über den globalen Artenschutz verhandelt. Dabei ist die Liste gefährdeter Tierarten beunruhigend lang: Tiger, Elefanten, Eisbären, Thunfische, Haie und Korallen sind zunehmend in ihrer Existenz bedroht. In dem kleinem Emirat geht es jedoch auch um wirtschaftliche und politische Interessen.

Washingtoner Artenschutz-Abkommen

Das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES) ist Konvention und Organisation in einem, welche durch internationale Handelskontrolle das Überleben freilebender Wildtiere sicherstellen soll. Der im Jahr 1973 ins Leben gerufenen Übereinkunft gehören bereits 175 Staaten an. Die unter Schutz gestellten 29.000 Pflanzen- und 5.000 Tierarten werden dabei in drei Gruppen eingeteilt. Mit im Anhang 1 gelisteten Arten darf überhaupt nicht gehandelt werden. Dies betrifft akut vom Aussterben bedrohte Tiger, Menschenaffen und Großwale. Im zweiten Anhang werden Tiere und Pflanzen genannt, mit denen nur unter strengen Auflagen gehandelt werden darf. Anhang 3 umfasst solche Arten, die von Ländern innerhalb ihrer Landesgrenzen unter Schutz gestellt werden.

Hai, Thunfisch, Tiger und Eisbär besonders gefährdet

Rund 75 Prozent der weltweiten Fischbestände sind inzwischen bedroht. In vielen Regionen gibt es keine oder nur schlecht regulierte Fischerei. Zudem nimmt die Nachfrage nach Thunfischen und Haien sowie die illegale Fischerei immer weiter zu. Als problematisch erweist sich vor allem die große Nachfrage nach Haiflossen aus Asien. Von 400 registrierten Haiarten stehen mittlerweile 74 auf der Roten Liste bedrohter Tiere.

Im Vorfeld der 15. Vertragsstaatenkonferenz einigte sich die mit 27 Mitgliedsstaaten einflussreiche EU auf ein einheitliches Vorgehen. Jedoch will sich Europa beim Tierschutz Zeit lassen: so soll ein internationales Handelsverbot für den stark dezimierten Blauflossen-Thunfisch erst in einem Jahr in Kraft treten. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Nachfrage aus Japan ist der Bestand in einigen Teilen des Atlantiks um über 80 Prozent geschrumpft.

Man könnte es als Ironie des Schicksals bezeichnen, das ausgerechnet im chinesischen Jahr des Tigers die Wildkatze vom Aussterben bedroht ist. Im Reich der Mitte sind Tigerprodukte in der traditionellen Medizin oder in Form von „Tigerwein“ äußerst begehrt. Angesichts guter Preise wird der Tiger daher auch in Russland und Indien immer mehr zum Gejagten. Zwar ist die Jagd in diesen Ländern offiziell verboten – sie wird aber nicht oder nur unzureichend geahndet. Die EU und USA fordern daher von China mehr Engagement in Sachen Tierschutz.

Vor allem die Vereinigten Staaten wollen in Doha das Sterben der Eisbären beenden. Im Nachbarland Kanada werden jedes Jahr über 500 Eisbären ganz legal getötet. Auch Grönland profitiert von dem Handel mit dem wertvollen Pelz. Das Abschmilzen des Eises erschwert den Eisbären das Überleben zusätzlich.

Elfenbein ist wieder Thema

In Doha steht auch das Thema Elfenbeinhandel wieder auf der Tagesordnung. Einige afrikanische Staaten befürchten, dass eine Lockerung des derzeitigen Totalverbots zu einer Ausweitung der Wilderei führen könnte. Tansania und Sambia wollen ihre Elfenbein-Lagerbestände verkaufen – auch um der ausufernden Wilderei zu begegnen. Die Bundesregierung spricht sich gegen jeglichen Handel mit Elfenbein aus, da dieser nur zu zusätzlicher Wilderei führe.

Wie wird die Konferenz ausgehen? Der öffentliche Druck ist in Doha bei weitem nicht so groß wie in Kopenhagen. Jedoch sind die wirtschaftlichen Kosten der europäischen Mitglieder für ein wirksames Artenschutz-Abkommen überschaubar. Bis zum 25. März wird in Doha um Artenschutz und wirtschaftliche Interessen gerungen. Dann wird sich zeigen, wie ernst die internationale Gemeinschaft das Thema wirklich nimmt.

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