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Amflora: Industrie setzt sich durch

Amflora

Foto: Amflora Ernte 2010 von BASFPlantScience (CC BY 2.0)

Die Kartoffel hat in Deutschland einen höheren Stellenwert als anderswo. Mitte des 18. Jahrhunderts von Friedrich dem Großen importiert, trat die Knolle schon bald in ganz Europa ihren Siegeszug gegen den Hunger an. Während und nach den Weltkriegen wurde das genügsame Gemüse erneut zum Lebensretter in Zeiten massiver Nahrungsmittelknappheit. Kein Wunder also dass die Entscheidung der EU-Kommission, mit „Amflora“ eine gentechnisch veränderte Kartoffel zu genehmigen, die Gemüter erregt.

Amflora und die Industrie

Im Gegensatz zu ihren konventionellen Verwandten soll Amflora nicht als Nahrungsmittel, sondern der Industrie als Stärkelieferant dienen. Amflora wurde so modifiziert, dass die Kartoffel nicht mehr Amylose und Amylopektin zusammen produziert, sondern nur noch das für technische Zwecke wertvolle Amylopektin. Die Stärke ist auf diese Weise leichter zu verarbeiten und kann vor allem für die Papier-, Textil- und Klebstoffindustrie von großem Nutzen sein. BASF und die verarbeitende Industrie erhoffen sich von der neuen Knolle höhere Effizienz, weil die gewonnene Stärke hier direkt verarbeitet werden kann. Und schließlich spare dies nicht nur Kosten, sondern auch Energie und Wasser.

Tatsächlich wird Amflora bereits in Mecklenburg-Vorpommern auf Versuchsfeldern angebaut. Auch Großbritannien, Tschechien und Schweden testen die modifizierte Kartoffel seit längerem. Mit dem Beschluss der EU-Kommission steht einem großflächigen Anbau nun nichts mehr im Wege.

Amflora und die Umwelt

Seit 14 Jahren streiten Verbraucherschützer, Umweltverbände, BASF und Forscher nun schon um Amflora. Letztere haben sich nun durchgesetzt. Den Grünen zufolge widerspricht der Beschluss aus Brüssel der kritischen Haltung einer Mehrheit in der Bevölkerung. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisiert die Entscheidung als „politischen Kniefall vor der BASF“ und ruft zum Boykott gegen die Kartoffel auf. Bauern und Industrie sollten Amflora meiden und stattdessen auf konventionelle Alternativen zurückgreifen.

Zwar ist Amflora aufgrund ihres hohen Stärkeanteils für den menschlichen Verzehr nicht geeignet. Die Europäische Union hat jedoch die Verwendung der Nebenprodukte als Futtermittel genehmigt. Auf diese Weise wird die Gentechnik zwangsläufig über die Nahrungskette beim Endverbraucher auf dem Teller landen. Nicht umsonst lehnen selbst die EU-Arzneimittelbehörde sowie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Verfütterung von Amflora ab.

1 Kommentar

  1. damit ist der gentechnik in europa tür und tor geöffnet. dauert nicht lange dann werden wir daran gewöhnt und finden uns damit ab, dass unsere nahrung gentechnisch manipuliert wird. ähnlich wie bei den sicherheitsgesetzen werden die neuen maßstäbe langsam und weitgehend unauffällig durchgesetzt..

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