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„Aber Fleisch schmeckt doch so gut“

Bockwurst

Foto: Bockwurst von pure man meat (CC BY 2.0)

Tiere essen ist für die meisten so selbstverständlich wie Auto fahren oder Fußball gucken. Dass wir artverwandte Wesen töten und deren Leichen verspeisen einfach deshalb weil sie gut schmecken, nehmen wir mehr oder minder bewusst in Kauf. Der Mensch steht nunmal an der Spitze der Nahrungskette und damit auf der Siegerseite.

Vegetarier: Vom Rand zum Mainstream

Im fleischfressenden Abendland gibt es vor allem seit der Lebensreformbewegung im 19. Jahrhundert immer mehr Menschen, die sich von dieser Denk- und Lebensweise verabschieden. Dabei war der Vegetarismus auch ein willkommenes Mittel, sich gegen die Zwänge der einsetzenden Industrialisierung zur Wehr zu setzen. Wer kein Fleisch aß, galt als Sonderling, Außenseiter oder Anarchist.

Das Motto „Zurück zur Natur“ kommt auch im 21. Jahrhundert gut an. Davon zeugen die vielen Bioläden, „naturnahe“ Reiseveranstalter und eben auch rein vegetarische Restaurants. Das hat zwar nicht mehr viel mit Anarchismus zu tun, könnte aber allmählich zu einer gesellschaftlichen Veränderung führen. Denn es gibt im wesentlichen drei überzeugende Gründe, auf den Konsum von Fleisch zu verzichten: gesundheitliche, ökologische und moralische.

Fleisch schadet Gesundheit und Klima

Ob Gammelfleisch oder frisch geschlachtet: Der regelmäßige Verzehr von Fleisch führt zu vermehrten Herz- und Krebsleiden, kann Viren und Giftstoffe vom Tier auf den Menschen übertragen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit an Osteoporose, Gicht, Rheuma, Bluthochdruck oder Adipositas zu erkranken. Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Doch gerade weil das subjektive Wohlbefinden einen höheren Stellenwert genießt als das der Tiere, überzeugen Argumente die auf gesundheitliche Risiken abzielen in der Regel besser als ethisch-moralische.

Ähnliches gilt für das zweite, wesentlich stärkere Argument für eine fleischlose Ernährungsweise. Laut aktuellen Zahlen des Worldwatch Institutes in Washington ist die Massentierhaltung für mehr als 50 Prozent der weltweiten Treibhausemissionen verantwortlich. Hinzu kommt der immense Wasserverbrauch, die anhaltende Abholzung von Wäldern für die Schaffung von noch mehr Weideflächen. In der Summe ist dies nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich völlig unverantwortlich.

Willkürliche Unterscheidung von Mensch und Tier

Das alles entscheidende ist jedoch die Frage, mit welchem Recht wir eigentlich Tiere töten. Wie ist es möglich, dass in einer „zivilisierten“ Gesellschaft Tag für Tag Millionen von Schweinen, Kühen und Hühnern systematisch gemästet und mittels Metallbolzen und Elektroschocks geschlachtet werden? Die willkürliche Unterscheidung Mensch – Tier ist eine strategisch-kulturelle Leistung mit dem Zweck, das Töten zu legitimieren. Evolutionspsychologe Steven Pinker bezeichnet es als „pervers“, den Säugetieren ihr Bewusstsein abzusprechen. Seine Kollegen aus der Genforschung haben schon vor Jahren herausgefunden, dass die Erbinformationen von Menschen und anderen Säugetieren größtenteils identisch sind. Gerade die sogenannten „Nutztiere“ haben ein Empfindungsvermögen, welches mit dem menschlichen komplett identisch ist.

Fleischkonsum: Ignorieren von Tierrechten

Die Herabwürdigung tierischen Lebens als schmackhafte Ware lässt sich zwar nicht rational rechtfertigen, hat aber in ihrer Konsequenz in den letzten 40 Jahren zu einer Verdreifachung des weltweiten Fleischkonsums geführt. Das systematische Töten findet erfolgreich hinter verschlossenen Türen statt. Im besten Fall gewähren wir zumindest den eigenen Haustieren ihre elementaren Rechte auf Unversehrtheit und Leben. Wie groß diese Doppelmoral ist zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage. Demnach bezeichnen sich über 80 Prozent der Deutschen als „Tierfreunde“. Gleichzeitig ernähren sich der Nationalen Verzehrsstudie zufolge nur 1,6 Prozent vegetarisch.

1 Kommentar

  1. Mehr ist zu dem Thema nicht zu sagen…. nur merkwürdig, dass man sich als Veggie immer noch rechtfertigen soll gegenüber Fleischessern!

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